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Dauerbrenner Nachfolge und Berufsfreiheit

Burg Schwarzenstein

Quelle: AIMP / Foto: Stephan Sasek

Wieder einmal befasst sich ein ZMM-Newsletter mit der meist schwersten Aufgabe, die Unternehmerfamilien zu lösen haben: Bewältigung des Generationswechsels. Oft vergehen Jahre, bevor eine Nachfolgelösung gefunden ist und stabil funktioniert. Kein Wunder, dass hier auch Interim Manager häufig gefragt sind. Dabei ist es eher selten, dass Interimer selbst als Übergangs-CEO einspringen, oder als Coach für einen jüngeren Nachfolgekandidaten. Viel häufiger sind unterschiedliche Projekte rund um den Nachfolgeprozess. Gerade wenn Führungswechsel sich länger hinziehen, geraten auch die operative Performance oder strategische Positionierung des Unternehmens nicht selten ins Schlingern.

Uns selbst und viele Kunden beschäftigt weiterhin das Thema Rechtssicherheit und Berufsfreiheit, allerdings sehen wir neue, positive Akzente. Nach dem neuesten Referentenentwurf aus dem Hause Nahles muss man die Arbeitsministerin vor überzogener Kritik in Schutz nehmen: Mit der neuen Arbeitnehmerdefinition im Entwurf als § 611a BGB können Interim Professionals gut leben. Im Übrigen verfügen AIMP-Mitglieder über ein sehr beruhigendes Gutachten des renommierten Münchner Arbeitsrechtlers, Prof. Dr. Volker Rieble vom ZAAR.

Im Newsletter stellen wir dazu eine neue Funktion unserer neuen Website vor, die Themenseite Berufsfreiheit. Hier finden Sie Entwicklungen und Fortschritte rund um das Thema Rechtssicherheit im Interim Management sowie eine Zusammenstellung relevanter Texte zum Download.

PS: Wer nicht dabei war – AIMP-Kollege Jürgen Becker hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Seit sechs Jahren steht unser Jahresforum unter seiner Ägide. Zusammen bringen Sabine und Jürgen es jedesmal wieder fertig, das schon hervorragende Vorjahresevent erneut zu übertreffen. Chapeau und Grazie, Euch beiden!
Weitere Eindrücke vom AIMP-Jahresforum 2016 auf Burg Schwarzenstein finden Sie hier.

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Freuden des Verbandslebens
Nun ade, mein lieb‘ Dienstleistungsausschuss…

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Quelle: pixabay.com

6. März: Da komme ich zum letzten Mal und werde erinnert, dass ich Mitgründer war. 1994 schon, zwei Jahre vor Gründung von ZMM. Als AIMP-Mitgründer bin ich bei Verbandsarbeit vorbelastet. Ich finde sie nötig und wichtig. So will ich heute einmal hauptsächlich loben: Das deutsche Verbandswesen im Allgemeinen und die Münchner IHK im Besonderen.

Gewiss sind Kammern und Verbände jeglicher Art immer auch Lobbys, alles andere wäre naiv. Oft genug musste ich mich ärgern, wenn im Namen der IHK Verlautbarungen kamen, die klangen wie von der Lazarettstraße abgeschrieben (für Nicht-Münchner: Sitz der CSU). Oft wurde gegen sinnvolle Umweltpolitik wie Ökosteuern oder überfällige Sozialreformen wie Mindestlöhne nur kleinlich gestichelt. Die Kammern, sie jammern?

Doch bietet kein anderes Land auf diesem Planeten eine so flächendeckende Verbandsvielfalt wie wir. Manchmal könnten es auch ein paar weniger sein, etwa bei der Zeitarbeit. Aber gerade von meiner IHK weiß ich: Das ist mehr als nur ein Interessenverband. Es ist auch ein Stück Heimat, gerade für die kleineren Betriebe, ein Stück Zivilgesellschaft, manchmal gar ein Stückchen Basisdemokratie. Nicht ohne Grund hofieren kluge Verbandsobere ihre Ausschüsse – dort erleben sie ihre Basis.

Durch die Bank sind die Verbandsleute freundlich, klug und engagiert. Sie werden ordentlich bezahlt, und das ist gut so. Nicht nur in der IHK, auch bei VBM/bayme habe ich für viele Themen kompetente Gesprächspartner gefunden und berufliche Freundschaften geschlossen, bis ins Private hinein. Dem früheren VBM-Geschäftsführer und späteren bayrischen Geno-Präsidenten Stephan Götzl verdanke ich wichtige Dialoge und vielfache Förderung bei meiner Umweltarbeit. Mit VBM-Manager Dirk Pollert und GPS-Chef Sepp Weingärtner entstand eine für ZMM sehr wichtige Zusammenarbeit. Auch im IHK-Dienstleistungsausschuss ergaben sich freundschaftlicher Austausch mit vielen und Geschäftsbeziehungen mit einigen.

Haare findet man in jeder Suppe. Verbandsmanager könnten bescheidenere und umweltfreundlichere Fahrzeuge wählen. Die IHK München und Oberbayern müsste nach dem Umbau nicht in die superfeine Seidl-Villa zurückziehen. Sie könnte einfach in ihren mittelfeinen Übergangsquartieren bleiben. Zu oft orientieren sich Verbände-Standards an den zahlungskräftigsten Mitgliedern und nicht an den kleinen Mittelständlern und Selbständigen, die jeden Cent umdrehen müssen. Und Verbände mit Zwangsmitgliedschaft sollten bei politischen Positionen nicht zu einseitig auftreten.

Doch letzten Mittwoch im Ausschuss, da ließen mich die Kollegen und ganz besonders der auch seit 1994 amtierende Vorsitzende, Detlef Dörrié, all solche Gedanken vergessen. Außerdem durfte ich über mein aktuelles berufspolitisches Lieblingsthema reden (Berufsfreiheit eingebetteter Wissensarbeiter) und wurde mit viel Anerkennung verabschiedet. Für Organisationsmuffel der Hinweis: Verbandsarbeit kann Spaß machen.

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Nun ade, mein lieb‘ Dienstleistungsausschuss…

Oberhaus und Gemeine, gemeinsam für die Berufsfreiheit?

Quelle: AIMP-Providerumfrage 2015

Quelle: AIMP-Providerumfrage 2015

Um den folgenden Blog zu verstehen, muss man ein wenig über die großen Branchendebatten wissen, insbesondere in der Zeit der Vorgänger von Marei Strack (heutige DDIM-Vorsitzende). Schon kurz nach Gründung des DDIMs und des AIMP 2004 entwickelten sich unterschiedliche Definitionen dessen, was einen „richtigen“ Interim Manager ausmacht. Für die Vertreter der „Oberhaus“-Fraktion, wie ich sie hier mal nennen will, waren gute Interimer eigentlich nur auf den zwei obersten Führungsebenen tätig. Als Top Manager widmeten sie sich meist Sanierungen und ähnlich dramatischen Transformationen. Bloße Vakanzüberbrückung oder harmlose Change Management, dafür waren sie eigentlich überqualifiziert.

Die andere Seite vertrat natürlich nicht das umgekehrte Extrem – niemand wollte Interim Manager nur auf der dritten oder gar vierten Führungsebene verorten. Wenn man also scherzhaft von einer „Unterhaus“-Fraktion sprechen kann, so wurde dort Interim Management als Dienstleistung definiert, die letztlich Lösungen für alle Führungsebenen bieten kann. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum Interim Manager nicht auf genau denselben Führungsebenen tätig sein sollten wie die vielfach größere Zahl der angestellten Manager.

Dieser „Kampf der zwei Linien“, wie so etwas zu Mao-Zeiten genannt wurde, zog sich sicherlich durch beide Organisationen, zumal die Pools der meisten AIMP-Mitglieder und die Mitgliedschaft des DDIM sowieso und seit jeher alle Ebenen umfassten. Beide Gruppen weisen eine ziemlich ähnliche Zusammensetzung auf: Es gibt Manager für höhere wie auch für niedrigere Führungsstufen. Doch Mitte der 2000er Jahre setzte sich im DDIM-Vorstand die eher elitäre Sicht durch. Dort hieß es noch ziemlich lange, es gäbe in Deutschland „nur 1.000 richtige Interim Manager“.

Im AIMP hingegen vertrat eine Mehrheit die Sichtweise, dass es völlig willkürlich sei, die Untergrenze unserer Dienstleistung bei der 100.000-Euro-Grenze festzuschreiben. Bloß weil das eine so schöne runde Zahl ist? Seit 2008 verwendet der AIMP für seine jährliche Providerumfrage eine Führungspyramide mit fünf Ebenen. Nach der letzten Schätzung von 25 Providern machen dabei die beiden Ebenen mit Jahresgehältern von 60-74 und 75-99 T€ zusammen 7.200 Manager aus, von insgesamt 15.000 Personen in Deutschland. Das sind etwa 45 Prozent. Dabei beziehen sich alle genannten Jahresgehälter auf das Festgehalt der bei unseren Kunden eingenommenen Positionen, nicht auf die Honorarerlöse der Interim Manager.

Man kann also sagen, dass die elitäre Sichtweise der „Oberhaus“-Freunde fast die Hälfte der deutschen Interim Manager ausschließen würde. Das hat der AIMP immer abgelehnt. Aber jetzt kommt das Kuriosum. In diesen Tagen wurde bekannt, dass ein erfolgreicher Interim-Anbieter, der wohl tatsächlich überwiegend Positionen im Oberhaus (oberhalb der 100 T€-Linie) besetzt, eine Allianz mit dem Unterhaus eingegangen ist. Die Firma hat sich an der Gründung eines Anbieters von Experten beteiligt, die eher auf niedrigeren Positionen fokussiert sind. Kommerziell ist das wahrscheinlich ein sehr kluger Zug. Branchenpolitisch ist das aber auch ein Anlass zum Schmunzeln: Handelt es sich bei den Akteuren doch um frühere Befürworter der eher elitären Sichtweise.

Mit Blick auf unser gemeinsames Interesse an einer Berufsfreiheit für eingebettet tätige Professionals, ob nun auf höheren oder weniger hohen Positionen tätig, kann man einer solchen kommerziellen Allianz auch berufspolitisch nur viel Glück wünschen. Denn wir Interim Manager allein sind in Deutschland, ob nun tatsächlich mit 15.000 oder vielleicht doch eher mit 20.000 Personen, wahrscheinlich nicht stark genug, um eine bessere berufsrechtliche Absicherung von Freelancern durchzusetzen. Wir brauchen die Zusammenarbeit mit anderen Freelancern, deren Zahl mit 200.000 bis 400.000 geschätzt wird.

Wenn geschäftsstrategische Überlegungen ehemaliger Oberhaus-Sprecher nun dazu führen, dass Commoners und Lords sich zusammenschließen – ist das nicht eine wunderbare Pointe?

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