Aus dem Provideralltag
Kunden helfen Kunden – leider nicht immer

Feedback

Quelle: pixabay.com

Zu den gelegentlichen Schattenseiten unseres Providerdaseins gehört die Behandlung als bloßer Makler und Mittler. Wir fanden einen qualifizierten Professional, die Zusammenarbeit mit dem Kunden lief gut, das Projekt wurde sogar verlängert. Wenn alles so gut funktioniert, sind wir natürlich stolz und zufrieden. Nur am Abschlussgespräch mit dem Kunden, daran hapert es oft. ZMM hat seine Schuldigkeit getan, bekommt aber keine Termine mehr, nicht einmal für die von uns nicht grundlos im Vertrag verankerten Qualitätsgespräche. Viele Kunden sagen uns dann, was wollt Ihr denn? Dass wir verlängerten, zeigt doch deutlich genug, dass alles passte!

Ich habe Verständnis für derartige Antworten. Im Grunde ist es so: Der Kunde kennt den Manager und braucht gerade zum Projektende hin keine Unterredung mehr mit uns. Unsere Qualitätsgespräche erlauben uns eine bessere Einschätzung des Interim Managers. Sie liegen damit vor allem im Interesse künftiger Kunden. Wir können uns nicht nur auf Schilderungen des Interim Professionals verlassen, sondern brauchen auch vom Auftraggeber ein Feedback über die Performance. Wer könnte diese besser bewerten als er? Doch für Feedback haben die Kunden heute immer weniger Zeit. Überall herrscht Hektik.

Dabei gäbe es hier eine große Analogie zu Referenzgesprächen, wenn wir also frühere Kollegen oder Chefs anrufen, um einen Bewerber besser einschätzen zu können. Unsere Bitten nach solchen Gesprächen werden interessanterweise so gut wie nie abgeschlagen. Ich interpretiere das als eine Art Solidarität im Top Management: Man will anderen Arbeitgebern Enttäuschungen ersparen. Oft fühlt man sich auch dem früheren Kollegen verbunden. Bei unserer Dienstleistung hingegen scheint diese Hilfsbereitschaft – ob nun von bisherigen Auftraggebern zu künftigen Auftraggebern, oder von Ex-Kollegen zu Ex-Kollegen – leider weniger ausgeprägt.

Mancher denkt vielleicht, wir Interim-Anbieter, ob Provider oder Professional, seien weniger von Empathie und Loyalität abhängig als angestellte Führungskräfte. Das ist aber keineswegs so. Wir alle brauchen Feedback, um den Kunden noch bessere Leistung bieten zu können. Vielleicht nicht rechtlich, aber moralisch hat ein Dienstnehmer keinen geringeren Anspruch auf faire Beurteilung als ein Arbeitnehmer. HR-Chefs und Geschäftsführer müssten das eigentlich auch verstehen.

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2 Antworten auf Aus dem Provideralltag
Kunden helfen Kunden – leider nicht immer

  1. Michael Schmidt sagt:

    Lieber Herr Görres,

    möglicherweise wird die Unlust zur Gewährung von Feedback durch die in den letzten Jahren inflationär angewachsenen Aufforderungen hierzu ausgelöst.

    Keine Hotelbuchung, keine Fahrzeugwartung, kein (erzwungenes) Softwareupdate ohne die störend obligate Folgeaktion, doch bitte eine Bewertung abzuliefern, immer mit dem stereotypen „Ihre Meinung ist uns wichtig“. Die Society for Human Resource Management schickt mir fast jede Woche ein Your feedback is important to us und verstopft meinen Maileingang.

    „Warum soll ich eigentlich die Marktforschungsbemühungen meiner Lieferanten unterstützen und das noch kostenlos?“ „Diese Abschlussgespräche sind ja doch nur verdeckte Verkaufsgespräche“. Das sind die Gedanken, die mir als Kunden in letzter Zeit durch den Kopf gehen. Fast wäre ich bereit, einen Preisaufschlag zu zahlen für das Recht, nicht mehr belästigt zu werden.

    Es würde gewiss helfen, wenn Sie dem Kunden deutlich machen, welchen Nutzen das Abschlussgespräch ihm persönlich bringt, z.B. vertiefte Hintergrundkenntnisse zum Interimmarkt (nicht wenige Führungskräfte denken da auch an die eigene Zukunft).

    Dies nur als Anregung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Schmidt

  2. Klaus J Voss sagt:

    Lieber Herr Dr. Görres, höchstes Lob und öffentlich ventilierte Anerkennung von der falschen Person kann auch ein Giftpfeil sein.

    Mäkeleien und Gestänkere von der/demselben ist sodann ein höchster Orden in den Augen derer, die diese „üblichen Verdächtigen“ schon selbst näher kennenlernen mussten.

    Dankbarkeit ist ein rares Gut.
    Nur Wenige haben das Format echte Anerkennung auszusprechen.
    Schon gar nicht, wenn die Hilfe im Unternehmen am Nötigsten war.
    Psychologisch leicht erklärbar.
    Der „ZMM-Mohr“ hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen!

    Deshalb, immer, immer Referenzen vom Kunden geben lassen, wenn im Mandat die „Liebe am größten ist“; also weit vor dem absehbaren Ende des Einsatzes.
    Am Besten schriftlich.

    Wenn dann später, unter Bezug auf diese Referenz, das Telefonat eines Dritten erfolgt, ist es schwerlich möglich, sich auf die gegenteilige Aussage zu „verlegen“.

    Aber auch da gibt es immer Ausnahmen.
    Damit müssen wir alle leben.
    Leider.

    So what?
    Gute Leute halten zusammen.

    Miese Typen ohne menschliche Größe, also diejenigen mit einem von Ihnen hier so inständig beklagten Moraldefizit, sollen bitte schön unter sich bleiben.
    Dafür ist das Leben zu kurz.