Auch bei Samurais darf es mal menscheln

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Meiner Heldenskepsis ging es schon immer gegen den Strich, wenn Branchenakteure sich selbst, ihre Firmen oder gar die ganze Branche in allzu leuchtenden Farben zeichnen. Das Thema beschäftigte mich insbesondere 2006/2007. Ich eröffnete eine Sankt-Georgs-Debatte und erklärte damals gern und oft: Im ZMM-Pool finden sich super Frauen und super Männer, nur keine Supermänner. Der Abschied vom Superman sorgt nicht nur für reellere Erwartungen. Er eröffnet auch neue Marktperspektiven. Mir ging es auch darum, dass gute Interim Manager auf allen Führungsebenen gebraucht werden, nicht nur ganz oben.

Schon 1984ff. als McK-Berater war mir zu Projektbeginn der Hinweis wichtig, dass selbst Spitzen-Berater nicht über Wasser schreiten und nur mit Wasser kochen. Doch ab und an wünscht man sich doch die Supermann-Qualitäten, hier einige Beispiele. Ein vielversprechender Kandidat verpasst den Flieger, leider entfliegt damit der ganze Auftrag. Ein anderer geht nach vier Tagen Frühjahrsfasten ins Interview und verhaspelt sich dann im eigenen Lebenslauf. Bei einem Kunden hatten drei Professionals in kurzer Folge private Probleme durch Scheidung, Pflegebedürftigkeit der Mutter und einen Trauerfall. Weil sie keine Supermänner waren, schlug sich das auch in der Leistung nieder. Wie erleichtert war ich, als die Personalchefin völlig unerschüttert blieb und mir erklärte: Warum soll es nicht bei ihnen auch menscheln?

Das mögen triviale Gedanken sein. Aber zu den guten Erfahrungen gehört: Indem man falsche Heroisierung und menschliche Unzulänglichkeiten auch in der Kundenbeziehung thematisiert, wird die Lösung schwieriger Momente leichter. Einmal verließ ein entnervter Interim Manager mitten im Vorstellungsgespräch den Raum. Doch der Kunde stand auf und überredete ihn zum Bleiben. Genau dieses Projekt wurde heute zum zweiten Mal verlängert. Hey super, Mann!

PS: Gute Nachrichten auch zum Thema Berufsfreiheit. Die neue und kompaktere Arbeitnehmer-Definition im modifizierten BMAS-Vorschlag für den §611a ist besser als alles Bisherige. Sie würde eine oft beklagte Lücke im deutschen Arbeitsrecht schließen. Mehr dazu in meinem Beitrag zum Münchner Regionalforum am 3. März.

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