Was sind wir Berater doch immer so schlau…

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Als Berater – und der bleibe ich als Interim Provider ja letztlich doch – ist man im Grunde immer fein raus. In dieser Woche sah ich zwei namhafte Familien- unternehmen, beide im Konsumgüterbereich. Das zweite, größere, hatte jahrzehntelang einen Ruf wie Donnerhall. Dann die Krise, langes Dümpeln, ewiges Leiden. Schließlich neue Eigentümer, neue Strategie, neues schickes Domizil in der Hauptstadt. In der Zwischenzeit: Wie viele Enttäuschungen, wie viele Fehler, und ganz sicher: viele viele schlaue Berater?                      

Das soll nun keine Beraterschelte werden, ich war ja lang genug selbst bei McKinsey. Und als Provider müssen wir froh sein, wenn wir von unseren Kunden und Professionals als Berater respektiert und unser Rat uns wenigstens ab und an abverlangt wird. Richtige Verantwortung für das, was vor Ort geschieht oder nicht geschieht, gelingt oder nicht gelingt? Die wollen und können wir nicht übernehmen.

Der andere Kunde – vor Jahren schon gab es ein kleines Mandat bei ihm – hat beim freundschaftlichen Wiedersehen noch immer ähnliche Sorgen wie damals. Manches ist sogar schwerer geworden, die Zeit ist nicht auf seiner Seite. Damals hätten wir gern mehr Projekte verkauft. Aber hätten die geholfen? Der Kunde nahm später einen anderen Berater herein. Er sieht dessen Projekt heute nicht als Erfolg an. Soll ich mich darüber freuen?

Ich werde nachdenklich. Im Kollegenkreis reden wir fast immer, als ob wir das Problem besser gelöst hätten als der jeweilige Rivale. Wir hätten damals gewiss dies und jenes getan. Und ganz bestimmt Erfolg gehabt damit. Welch ein Hochmut! Ich weiß ja selbst am besten, welche Fehler wir auch bei ZMM schon gemacht haben. Oder als schlauer Meckie. Mal aus Leichtsinn, mal vielleicht aus Unwille, allzu kapitalistisch zu agieren.

Der Kunde von damals ruft an, er möchte es nun erneut mit uns versuchen, und nicht mit dem anderen – Hurra! Aber Vorsicht jetzt. Vor dem nächsten Gespräch werde ich zwei Löffel Demut und eine große Tablette Bescheidenheit schlucken.

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