Kalvins Fluch, Wochenendfrust, Flucht nach Fröttmaning…

Quelle: SZ, 3. Mai 2014, S.73

Wie bringt man in einem einzigen Blog Max Weber, die Wochenend-Leiden Gebildeter und die Fröttmaninger Heide zusammen? Ganz einfach. Zu den Wochenendfreuden gehört extensive SZ-Lektüre. Dort die bestürzende Meldung. „Je gebildeter Menschen sind, desto unglücklicher fühlen sie sich am Wochenende“ fand der Hamburger Professor Maennig. Sie entwickeln Angst vor dem Stress der kommenden Woche. Und sie arbeiten lieber, als Zeit mit der Familie zu verbringen (SZ 3.5., S. 73). Wo wären wir ohne solche Forschungsfrüchte!

Ich zog zwei Schlüsse aus diesem Text. Am Sonntag Radltour mit Freunden im Münchner Norden, eigentlich dort also, wo die Stadt Unangenehmes, Lautes und Übelriechendes bündelt. Kasernen, Kläranlagen, Flughäfen, eine Unzahl vielspuriger Straßen. Aber unsere Tour führte zu lauter schönen Stellen: Zu den Schlössern Lustheim und Schleißheim, mit Zwischenstopps bei einer Moschee, dem Fröttmanninger Müllberg samt versunkenem Kirchlein. Unterwegs die Allianzarena, zwei Zeppeline, je ein Segel- und Privatflieger, ein Hubschrauber und viele Raubvögel. Höhepunkt war die Heimfahrt durch die Fröttmanninger Heide, wo ich vor vier Dekaden als Pionier marschieren und Minen vergraben musste.

 Am Mittwoch verließ ich ZMM bereits um 18.45h für einen wunderschönen Max Weber-Vortrag des Theologen Friedrich Graf im Plenarsaal der Münchner Residenz. Als gebürtiger Heidelberger mit VWL-Studium am Alfred-Weber-Institut (Maxens Bruder) liegen mir Weber und sein protestantischer Geist nahe. Dort wurde dann noch wissenschaftlich erklärt, warum bürgerliche Schichten Askese pflegen (und darin heimlich doch Erlösung finden).

Für Interimer – so denke ich auf Basis meiner eigenen McK-Wanderjahre – kann Freizeit besonders qualvoll sein. Mein Tipp: Öfter mal die Mails Mails sein lassen und das iPhone aus. Fröttmanning und Fortbildungsvorträge tun auch mal gut.

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