Warum höherrangige Interim-Jobs relativ geringer honoriert werden

Quelle: AIMP

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Heute saßen wir im Team und diskutierten die Folien der AIMP-Providerumfrage. Seiten 10 und 11 waren schon immer etwas kompliziert, aber wer sich reindenkt kommt zu dem Ergebnis, dass höhere Positionen im Interim-Geschäft relativ schlechter honoriert werden als niedrigere. Das zeigt sich, wenn man die Tagessätze von Professionals mit den Jahresgehältern vergleicht, die Festangestellte in der gleichen Position verdienen würden. Bei Positionen oberhalb von 200 T€ macht der durchschnittliche Tagessatz 6 bis 7 Promille des Jahrgehalts aus. Wer als Interim-GF einen 250 T€-Job übernimmt, käme danach auf 1500 bis 1750 Euro Tagessatz. Wer aber interimistisch einen Gruppenleiterposten mit 75 T€ Jahresgehalt übernimmt, kann bis zu 750 Euro am Tag bekommen, also fast ein Prozent des entsprechenden Jahresgehalts. Fast als ob es ein System progressiver Tagessatzbesteuerung gäbe…

Die wirklichen Gründe haben sicher wenig damit zu tun, dass die unsichtbare Hand des Interim-Marktes hier für soziale Gerechtigkeit zugunsten der „Kleineren“ sorgt. Wir sehen drei Faktoren am Werk. Zum einen akzeptieren Kunden wohl einen kleinen Preisaufschlag zu vergleichbaren Zeitarbeitskräften. Denn bei Positionen unterhalb eines Jahreseinkommens von 100 T€ gibt es häufig Zeitarbeitsangebote als Alternative zur Interim-Lösung. Nehmen wir einen Interim-Controller: Von ihm kann der Kunde eine deutlich unternehmerische Grundhaltung erwarten als bei einem Controller, der die größere Sicherheit als Zeitarbeiter vorzieht.

Vielleicht gibt es auch „Auffanglinien“ als Bündel unterschiedlicher Marktkräfte, wie man sie von anderen Märkten kennt. Gemessen an den am Markt bekannten Durchschnittstagessätzen – je nach Schätzung und Methode schwanken diese zwischen 900 und 1200 Euro – könnte der Kunde bei Tagessätzen von 700 Euro und darunter nicht mehr ganz so hart feilschen und verhandeln wie er es bei höheren Per diems tun würde. Aber das ist nur ein Hypothese.

Uns erscheint ein dritter Faktor plausibler. Wie bei angestellten Managern gibt es eine Korrelation zwischen Lebensalter und Jahresgehalt. Höhere Positionen erreicht man meist erst mit höherem Alter. Deshalb verdienen 55-jährige Manager im Durchschnitt deutlich mehr als jüngere. Bei den Interim Managern sind aber jüngere Jahrgänge deutlich unterpräsentiert. Jüngere Manager sind aus familiären und beruflichen Gründen nicht an einer Freelancer-Rolle interessiert. Als Freelancer bleibt man oft länger auf der gleichen Ebene. Wenn jetzt noch niedrigere Positionen mit jüngerem Alter korrelieren, und höheres Alter mit höherem Gehalt, dann könnte die größere Knappheit der jüngeren Interim Manager auch dazu führen, dass der Wettbewerb bei älteren Managern und höherrangen Interim-Jobs die Tagessätze dort stärker senkt als bei den Positionen unterhalb von 100 T€. Kompliziert formuliert? Das liegt sicher daran, dass der Blog eh schon überfällig ist und jetzt endlich raus muss.

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