Solarbranche in Deutschland: Sechs Gründe für Optimismus

Quelle: samuelschalch / photocase.com

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Zweimal konnten wir auf Kooperationsveranstaltungen mit den Anwälten von SIBETH über das Quo Vadis der Solarindustrie diskutieren. Im Januar in München und im Juni in Frankfurt, beides erfolgreiche und gut besuchte Veranstaltungen.

Fast wöchentlich liefert die Solarwelt neue schlechte Nachrichten. Siemens und Bosch haben ihre Solaraktivitäten längst verkauft, Siemens sogar in zwei Fällen. Viele Zellenhersteller gingen in die Insolvenz, manche werden es noch tun. Bei Q-Cells gab es schmuddelige Interessenkonflikte. Energiepolitiker und Anbieter nichtsolarer Energien rütteln an der exzessiven Solarförderung, manche wollen das EEG ganz shreddern. Auf EU-Ebene läuft ein Zollkonflikt mit China. Muss man fürchten, dass all diese Probleme den bisher so erfolgreichen Aufbau in Deutschland abwürgen? Ich glaube nicht.

1. Solarenergie ist viel mehr als nur Solarzellen. Von der Wertschöpfung machen die vielen anderen Komponenten einer Solaranlage, vor allem aber der große Aufwand für Engineering und Anlagenbau, den größeren Teil aus. So bitter der Einbruch der nationalen Modulfertigung ist, einschließlich der damit in den Sand gesetzten Fördermillionen: Letztlich steht dahinter eine globale Verbilligung der Solarmodule und diese macht Solarenergie unter dem Strich immer kostengünstiger.

2. Mit den anderen Wertschöpfern der Solarkette wuchs in Deutschland ein gewaltiges Kompetenzcluster. Tausende von Handwerksbetrieben haben gelernt, wie man Solaranlagen plant, beantragt und montiert. Spezialplaner und Beraterfirmen sind entstanden. Elektro-Großhändler haben sich auf den Import von Modulen und den Bezug der unterschiedlichen Peripherieprodukte (Gleichrichter, Gestelle, Einspeisezähler etc.) spezialisiert. All diese Menschen und Firmen werden alles tun, um auf dem Markt, aber auch in der Politik den weiteren Ausbau der Solarenergie zu befördern. Sie werden Kosten senken und Nischen erschließen, sie werden für ihre Arbeitsplätze kämpfen.

3. Es ist ein verheerendes Argument, man dürfe sich mit dem mächtigen China nicht wegen einer winzigen Branche anlegen, wenn davon dort noch viel größere Absatzmärkte gefährdet würden. Wo kämen wir hin, wenn Europa nicht mehr für die Einhaltung fundamentaler WTO-Regeln kämpfte, oder nur dann, wenn große Branchen mit mächtigen Lobbys bedroht sind? Gerade kleinere Branchen und Firmen brauchen den Schutz der internationalen Rechtsordnung und der EU-Instanzen – das gehört zum Charme und zum Wertekern eines gemeinsamen Europas. Unterm Strich werden wir auch bei höheren Zöllen und einem vertragstreueren China nur Bruchteile der deutschen Modulindustrie erhalten können. Es geht aber auch darum, einen Rest nationaler Fertigungskompetenz zu erhalten und ein Solarzellenmonopol Asiens zu verhindern.

4. Das EEG wurde nicht ohne Grund in rund fünfzig Länder exportiert. Es macht Sinn, an den Grundelementen dieses Gesetzes festzuhalten. Die Überförderung der Aufbaujahre darf und soll die Politik mit Augenmaß korrigieren. Aber die hohen Kosten der EEG-Umlage basieren vor allem auf zwei Fehlern, nämlich den weit überzogenen Ausnahmen zugunsten von immer mehr Industriefirmen, und der Berechnung aufgrund eines Börsenpreises, der gerade durch die eingespeisten Solarstrommengen viel niedriger liegt als früher (siehe FÖS-Analyse). Egal wie die Wahl ausgeht – keine Bundesregierung wird dieses insgesamt erfolgreiche Gesetzeswerk abschaffen. Solarstrom wird auch künftig gefördert, nur weniger.

5. Förderung oder nicht, bei ca. 16 Cents je KWh lohnt sich die Eigenerzeugung von Sonnenstrom schon jetzt für fast jedes gewerbliche Unternehmen, auch für größere Handwerksbetriebe. Dieser Trend wird weitergehen und könnte sich auch auf größere Büro- oder Wohngebäude ausdehnen. Hier ist auf jeden Fall mit viel Wachstum zu rechnen.

6. Neulich beklagte Gabor Steingart in seinem Morning Briefing, Frankreichs Industrie zahle 40 Prozent weniger für den Strom als die deutschen Firmen. Na und? Wer ist erfolgreicher im Export, wer besser aufgestellt für eine gewiss grünere Zukunft? Welche Kosten werden auf die französische Wirtschaft erst zukommen, wenn die Lebenszeit der heutigen KKWs zu Ende geht? Die alten Energien, auch Kernenergie, werden tendenziell von Jahr zu Jahr teurer. Die Erneuerbaren werden auch weiterhin billiger.

Ich bin also optimistisch: Die Zukunft des Sonnenstroms hat gerade erst begonnen. ZMM arbeitet für Anbieter fast aller Energieformen, auch für Solarhersteller. Unsere Wahlkampf-Forderung: Mehr Interim Professionals für eine schnellere Energiewende!

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