Aus dem Provideralltag: Die größten Firmen Deutschlands

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Es gibt Firmen, darunter auch dem Normalbürger unbekannte, die findet man in den Lebensläufen von Interim Professionals mit ganz und gar überproportionaler Häufigkeit. Beispiele gefällig: Ein renommierter Hersteller von Traditionsspielzeug unweit der Bahnstrecke Ulm-Stuttgart. Ein ostdeutscher Anbieter von Binnen-Schifffahrten. Ebenfalls Ostdeutschland, eine Solarzellenfirma. Ein Unternehmen aus Oberfranken, das vollkommen unnütze Figuren herstellte, die nach einer Nonne hießen und weltweit Fans hatten, bis USA und Japan.

Ich offenbare das letzte Beispiel: Es geht um die frühere Firma Goebel und die berühmten Hummel-Figuren. Man glaubt nicht, wie viele Interim Manager sich dort über die Jahre ablösten. Ein ewiger Kreislauf. Sanierung – neuer Eigentümer – neue Sanierung – neue Eigentümer. Bei den letzten Käufern handelte es sich im steuerlichen Sinne wohl schon um Liebhaber: Investoren, denen es kaum mehr um Rendite ging, sondern die Erhaltung eines liebenswürdigen Produkts, dessen Hinscheiden man vermeiden wollte. Hier war nun neulich von der wohl endgültigen Insolvenz zu lesen. Wir sind traurig, denn auch ZMM war in der langen Kette der Rettungsversuche mit zwei CROs vertreten, wenn auch viele Jahre vor dem jüngst vermeldeten Exitus.

Manche mögen aus diesen Beobachtungen eine Kritik unserer Dienstleistung ableiten. Es gibt tatsächlich Firmen, die über Jahre hin kränkeln und dann – wenn man will – unter die Berater fallen. Ganz ähnlich wie der Mann aus der Bibel, der auf dem Weg von Jericho nach Samaria unter die Räuber fiel. Doch auch bei vielen „nach schwerer Krankheit verstorbenen“ Patienten gehen lange Leidensjahre voraus. Und bei entsprechenden Mitteln haben diese Patienten dabei die Hilfe zahlreicher Ärzte gesucht, manchmal sogar der besten des Landes. Jeder guter Interim-Sanierer kennt Fälle, wo vor seinem Einsatz schon viele andere ihr Glück versucht hatten. Wie soll er da sicher sein, dass seine Arbeit zur endgültigen Genesung führt?

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4 Antworten auf Aus dem Provideralltag: Die größten Firmen Deutschlands

  1. Wenn es so ist, sollte ein Spitzensanierer seine Hände von hoffnungslosen Firmen lassen, genauso wie ein Spitzenarzt, der danach weitere, gut betuchte Patienten behandeln möchte :-)

    • Dr. Anselm Görres sagt:

      Natürlich richtig, nur erkennt man die Aussichtslosigkeit immer schon vorher?

      • Dr. Anselm Görres sagt:

        Natürlich haben Sie recht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, auch in der Sanierung. Hinzu kommt in den beschriebenen Fällen, dass auch die Eigentümer nicht stabil sind. Konfus, wechseln dauernd, untereinander zerstritten, kein Plan usw. Ein Kapitän will ein angeschlagenes Schiff retten, und von der Reederei kommt keine Hilfe. Ich behaupte: Nur die Minderheit der Sanierungen gelingt rasch und hält nach. Prolongierte Krisen sind in Wahrheit häufiger.

  2. Sie beschreiben ein verbreitetes Phänomen. Das sich nur einstellt, wenn man die eingeleiteten Änderungen nicht mit Kennzahlen misst und dadurch erkennt, dass eine Änderung positiv oder negativ wirksam ist und die richtigen Schlüsse daraus zieht. Ich als Interim Manager starte nur Änderungen, wenn diese auch messbar kontrolliert werden können, wenn der Nachfolger dann aber eigene Ideen umsetzt, ohne diese auf Erfolg zu kontrollieren wird das erst beim Erstellen der Bilanz die Wirkungsrichtung sichtbar, ohne die Ursache erkennen und lokalisieren zu können. So kann sich ein negativer Trend über Jahre bis zur Insolvenz hinziehen.

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