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ZMM-Teams als Interim-Nothelfer in Deggendorf

Foto: privat

Vier unserer besten Mitarbeiter kommen oder kamen von der Deggendorfer Fachhochschule. So waren wir der Stadt schon dankbar, bevor der Isar-Damm brach und die zwischen Donau und Isar gelegenen Vororte Fischerdorf und Natternberg überschwemmt wurden. Der Name Natternberg ist irreführend, das ganze Landdreieck zwischen den Flüssen ist topfflach und liegt sehr tief. Als der Damm gebrochen war, lief das Dreieck innerhalb einer Nacht voll, mit Wasserständen von 2 bis 3 Meter über Grund. So wurden überall Keller und Erdgeschosse verwüstet, in manchen Häusern auch der erste Stock.

Aufgeteilt in drei Teams sind fast alle ZMM-Kollegen für zwei Tage vor Ort. Die Firma zahlt einen Tag und alle Spesen, der Mitarbeiter opfert einen Urlaubstag. Das erste Team war  so nervös, als ob es auf Afrika-Expedition ginge. Man tauschte Packlisten aus und diskutierte über Gummistiefel, Stirnlampen oder Mückenspray. Am Ende erwies sich alles als viel harmloser. Mücken gab es keine und von den riesigen Wassermengen waren nur noch ein paar Pfützen geblieben. Noch dazu herrschte beim ersten Einsatz herrliches Sommerwetter. Vor Ort erwarteten uns keinerlei Notfälle mehr, sondern nur noch ein endloses „Ramadama“ (bayrisch für Großaufräumen). Niemand war in Gefahr.

Aber für die schon seit Tagen bedrängten Anwohner war es einfach eine große Erleichterung, dass sie nicht mehr alles allein machten mussten. Man spürte ihnen die Erschöpfung an. Viele hatten ihre Wohnungen räumen müssen, teils auf abenteuerlichen Wegen. Nach ihrer Rückkehr konnten die meisten nur noch die weitgehende Zerstörung von Hausrat und Möbeln, Werkzeugen oder Kleidern konstatieren. Viele verloren persönliche Erinnerungsstücke wie Fotoalben oder eine Märklineisenbahn.

Gerade in der Notlage zeigten sich der Wohlstand des Landes, aber auch wirkliche Hilfsbereitschaft und Humor. Für die Freiwilligen gab es alles, was man nur wünschen konnte, von Bier bis Brotzeit und Broccoli, von Gummistiefeln bis Gummihandschuhe, Mückensprays und Medikamente gegen Wadenkrampf. Firmen hatten Lebensmittel, Decken, Schaufeln und Werkzeuge gespendet. Der kombinierte Fuhrpark von Polizei, Feuerwehr, THW und Handwerkerfahrzeugen war eindrucksvoll und umfasste sogar einen Shuttle-Service zum Helfertransport. Überall gute Stimmung, auch die Einheimischen konzentrierten sich auf die Wiederherstellung ihrer Häuser und hatten ihren Humor nicht verloren, trotz aller Verluste. „In einem Jahr siehst du hier nix mehr von der Flut“, prophezeite einer unserer Gastgeber. Was in den Herzen vorgeht, das können wir nicht ahnen.

Als Kristin, Tobias und ich am Freitagnachmittag aufbrachen ( etwas müde, verschwitzt und sonnenverbrannt), hatten wir wenigstens das Gefühl, zwei Tage nur mit sinnvollen Tätigkeiten verbracht zu haben. Im Büro hat man diese Gewissheit nicht immer. Und keiner der Helfer hatte so schicke Gummistiefel wie Kristin.

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