Zwei, drei Brücken weniger, die uns bei Insolvenzen im Weg stehen? Dank ESUG könnten mehr Interim Professionals bei Notlagen helfen

Über sieben Brücken musst Du gehen – unter dieser Überschrift schilderte ich im Frühjahr 2010 die Hürden für Interim Manager, die mit Insolvenzverwaltern zusammenarbeiten wollen. Ich wollte mir selbst und den Lesern besser erklären, warum damals (wie auch noch heute) Interim Professionals nur relativ selten von Insolvenzverwaltern gerufen werden.

Mein Antworten damals: Nur ein Bruchteil aller Insolvenzverfahren ist groß genug, um überhaupt externe Hilfe tragen zu können (1), viele an sich geeignete Interimer haben zwar Sanierungserfahrung, nicht aber das erforderliche insolvenz-spezifische Wissen (2), die besonders starken CROs ordnen sich besonders ungern einem Verwalter unter (3), viele Verwalter tendieren zum gut schwäbischen Motto kei teures Geld ausgäbbe für ebbes was mer selber billigr kãh (4) oder scheuen sich, auch aus Haftungsgründen, mit unbekannten Dritten zusammenzuarbeiten (5), oft ist das erwartbare Zeitfenster zu kurz, als dass ein Externer viel bewegen könnte (6). Mein siebter Punkt war eigentlich eher eine Zusammenfassung der ersten sechs.

Es gibt nur ein begrenztes Spektrum von Einsätzen mit so großen Potentialen, dass sich die Kosten eines Externen innerhalb der erforderlichen Kürze amortisieren. Interim Manager müssen daher verstehen, dass ihre Arbeit für den Insolvenzverwalter nur rentabel ist, wo ihr Einsatz nahezu unabdingbar ist oder sich innerhalb äußerst kurzer Zeit bezahlt macht. Wenn sich Insolvenzverwalter mit Managern verstärken, dann meist aus eigenen Pools, die viele sich über Jahre hin aufgebaut haben.

Seit 1.3.2012 gilt in Deutschland das neue „ESUG“ (einige Artikel erst ab 1.1.2013). Mit diesem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen könnten sich die Chancen für Interim-Sanierer sehr viel besser darstellen. Erstens erhofft man sich aufgrund der neuen Regeln Anreize für eine frühere Einleitung des Verfahrens. Früher versuchten die Firmen diesen unerfreulichen Moment so lange wie möglich herauszuzögern. Zweitens gibt es eine andere Arbeitsteilung zwischen Verwalter und Management. Der vom Gericht zu bestätigende Sachwalter beaufsichtigt die Unternehmensführung, aber die Managementverantwortung bleibt beim Unternehmen. Drittens werden die Gläubiger gestärkt, angefangen mit einem stärkeren Einfluss auf die Wahl des Verwalters. Insgesamt soll das Gesetz die Chancen einer Rettung aus eigener Kraft deutlich verbessern.

Rettung aus eigener Kraft? Das bedeutet keineswegs Rettung durch das alte Management in unveränderter Besetzung. In den meisten schon eingeleiteten ESUG-Verfahren kamen externe Berater oder Interim Manager mindestens als Verstärkung des vorhandenen Führungsteams zum Einsatz, nicht selten auch in verantwortlicher Rolle. Die Auswahl dieser externen Stützen erfolgt nicht mehr durch den Insolvenzverwalter, sondern idealiter im Zusammenspiel von Unternehmensführung und einflussreichen Gläubigern, manchmal auch mit Beteiligung wichtiger Kunden. In Tat und Wahrheit agiert der bisherige Insolvenzverwalter öfter als Verhinderer denn als Förderer des Interim Managers. Der Sachwalter könnte hingegen zum wichtigen Partner von Interim-Sanierern werden.

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