Frühstück bei Hogan Lovells: Haftungssorgen ohne Ende?
Wir Manager dürfen uns darüber am wenigstens beklagen

Foto: freeday/ Quelle: photocase.com

Wie immer passt alles, die lindgrünen Slides zur lindgrünen Papierserviette, das lindgrüne Bürodekor zum lindgrünen Kanzleilogo. Auch die Vorträge sind perfekt. Aber warum nur ist  das Thema Managerhaftung und D&O-Versicherung dermaßen en vogue? Die klugen Anwälte bei Hogan Lovells sind ja nicht die einzigen, die Veranstaltungen dazu anbieten. Auch beim AIMP ist es ein Dauerbrenner geworden, manche unserer Mitglieder haben schon die „Manager-Pflichtversicherung“ eingeführt. Andere wollen ihren Professionals diesen Schutz zwar nicht vorschreiben, aber immerhin günstiger anbieten.

Für Ökonomen sind Haftungsrisiken nichts neues. Schon Adam Smith prägte den Ausdruck other people’s money und erkannte die Missbrauchsgefahren, die mit der Verantwortung für fremdes Geld einhergehen. 200 Jahre später führten Ökonomen dafür den Begriff vom Principal-Agent-Problem ein. Theologen würden hier ergänzen, dass sich der ungetreue Verwalter bereits in der Bibel findet.

Auch die Juristen wussten schon lange, dass der Umgang mit fremdem Geld Begehrlichkeiten und Leichtsinn zu wecken vermag. Die einschlägigen Vorschriften aus Gesellschaftsrecht und BGB sind überwiegend schon ein Jahrhundert alt. An der Rechtssprechung kann es somit nicht liegen, wenn plötzlich alle Welt über Haftungsrisiken nachdenkt, und wie man Manager davor schützen kann.

Mir fallen drei Ursachen ein, die das Thema in der Tat aktuell und brisant machen. (1) Im rheinischen Kapitalismus geschah es äußerst selten, dass ein Aufsichtsrat einen Vorstand verklagte. Erst als Schröder die Deutschland-AG aufbrach, nahm die kollektive Selbstverschonung der Managerkaste deutlich ab. (2) Die Welt und ihre Regulierungen werden immer komplexer. Ein Vorstand oder Geschäftsführer, der alles richtig macht, muss schon fast ein Übermensch sein. (3) Am meisten waren es wohl die Exzesse des Turbokapitalismus, die Haftungsfragen und ‑prozesse zum Alltagsthema machten. Irgendwann in den Neunzigern hoben die Manager ab, nicht nur die Banker. Allzu viele dachten, Regeln seien nur für die anderen da. Die früher so feinen Banker erfanden Schrottpapiere, manipulierten den Libor und förderten Schwarzgeldstrategien. Auch viele Manager anderer Branchen gerierten sich als Masters of the Universe. Man denke nur an den abenteuerlichen Versuch des Porsche-Vorstands, den vielfach größeren VW-Konzern zu übernehmen. Oder die vielen Korruptionsskandale, selbst bei Industrie-Ikonen wie Siemens oder Thyssen.

So gesehen schadet es mir gewiss nicht, wenn ich mein Bewusstsein für Haftungsrisiken auf diesem Frühstücksseminar noch einmal schärfe. Die deutschen Managergehälter sind die zweithöchsten in Europa. Da darf man schon erwarten, dass Manager die Gesetze des Landes strenger einhalten und die Interessen der Eigentümer getreuer wahrnehmen. Ob mit oder ohne D&O.

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