Final Times Deutschland: Die FTD ist am Ende, es lebe der progressive Liberalismus!

Quelle: ftd.de

Die historische Letztausgabe der FTD enthält eine Sonderbeilage Interim Management, mit sechs Seiten füllt sie fast ein ganzes „Buch“. ZMM und ich selbst kommen dort schon im ersten Beitrag ausführlich zu Wort. Ehrenvoll ist auch, dass unsere Branchenorganisation AIMP und mehrere unserer geschätzten AIMP-Kollegen dort mit Graphiken, Zahlen und Zitaten ausführlich erwähnt werden.

Doch die größte Ehre besteht darin, dass wir alle in der letzten Ausgabe dieser großartigen Zeitung erscheinen. Vielleicht werden wir so ein wenig mitprofitieren vom hoffentlich langen Nachruhm des Blatts. Trotzdem kann ich mich nicht richtig freuen.

Es ist nämlich bitter: Die marktwirtschaftlichen Stimmen Deutschlands stehen sozialpolitisch und ökologisch meist eher rechts. Und umgekehrt sind viele progressive Menschen bei uns ziemlich marktskeptisch. Ihre Ablehnung gilt nicht nur dem aggressiven Turbo-Kapitalismus, sondern oft genug auch Märkten, Wettbewerb und Unternehmertum insgesamt. Kürzer gesagt: Deutsche Marktfreunde sind häufig rechtsliberal, deutsche Ökos oder Linke häufig marktkritisch. Warum ist die Schnittmenge zwischen Marktwirtschaftlern und Linksliberalen hierzulande so winzig?

Es wäre unfair, dafür allein Westerwelle verantwortlich zu machen. Leider haben viele dazu beigetragen, dass der politische Liberalismus in Deutschland zu einer langweiligen Wirtschafts- und Steuersenkungslobby verkam. Allerdings hat sich erst unter Guidos Führung die FDP zu einer Partei entwickelt, die mit wenigen Ausnahmen (darunter gewiss Außenpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz und Immigration) in allzu vielen Politikfeldern den rechten Rand des Meinungsspektrums besetzt hat. Die FDP kämpft heute nicht mehr für Steuersenkungen, aber immer noch mannhaft gegen Mindestlöhne, höhere Effizienzstandards der EU oder das Verursacherprinzip im Umweltschutz – schade!

Mitverantwortung tragen leider auch deutsche Unternehmer und Manager. Es gibt so wenige, die zugeben können, dass jetzt erst einmal die Löhne stärker steigen müssen als die Dividenden, und dass Umweltschutz und Energiewende keine Bedrohung, sondern Deutschlands und Europas Jahrhundertchance sind.

In einer solchen Landschaft war die insbesondere ökologisch sehr fortschrittliche FTD eine der wenigen Stimmen eines nicht sozial- und umweltvergessenen Liberalismus. Diesem Geist wünschen wir nicht, dass er in Frieden ruhen möge. Sondern er soll auferstehen an vielerlei Orten, ob bei FAZ, Handelsblatt und Wirtschaftswoche, oder eines Tages auch wieder bei der FDP.

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