Wieviel „social“ steckt im social web?

Social Media ist in aller Munde – in ist, wer drin ist. Wer einen neuen Partner sucht, findet ihn online. Wer völlig neue Kundensegmente erschließen will, erschließt sie im Web 2.0.  Doch wie sozial sind die sogenannten sozialen Netzwerke wirklich? Wieviel Crossing mit Gleichgesinnten findet bei Xing wirklich statt? Und was bedeutet das für uns Interim Management Provider?

Sicher sind die Interim Professionals die aktivsten Branchenvertreter im social web. Fast jeder Freelancer verfügt über diverse Profile, eine eigene Website oder bloggt sogar regelmäßig. Für uns Provider eine schöne Sache, da man sich binnen kürzester Zeit einen Überblick über die aktuelle Situation des Interim Managers verschaffen kann. Doch wie oft greifen wir wirklich zu dieser Methode? Wie viele unserer Experten haben wir z. B. über Xing rekrutiert und in ein Projekt vermittelt? Für ZMM gesprochen eine magere Quote: eine glatte Null.

Die Gründe dafür scheinen einfach: Auch oder gerade weil es sich um schnell zu besetzende Vakanzen handelt, spielt die soziale Komponente eine große Rolle. Der Experte muss nicht nur fachlichen Fit aufweisen, sondern auch menschlich zum Unternehmen passen, der Kunde muss rasch Vertrauen fassen. Um diese Faktoren abzuklopfen, ist ein persönliches Vorgespräch für ZMM unerlässlich. Soziale Fähigkeiten – soft skills – können zwar bei Xing hinterlegt sein, und die private Vorliebe für italienische Küche wird via twitter mittels eines Live-Berichts der Cooking-Session demonstriert. Ob sich der Kandidat aber wirklich für die kaufmännische Leitung einer italienischen Niederlassung eignet, weil er echtes südländisches Temperament besitzt, lässt sich dann doch wieder nur im persönlichen Gespräch feststellen. Warum also nicht auf Altbewährtes aus dem Pool zurückgreifen?!

Wenn wir unsere Experten (noch) nicht im social web suchen, suchen uns dann unsere Kunden schon dort? Management auf Zeit war und ist schon immer ein Vertrauensgeschäft, das vom persönlichen Kontakt lebt. Werden wir durch social media nun zu unpersönlich und unnahbar? Erst kürzlich habe ich in einer Online-Vorlesung zu eben diesem Thema erfahren, dass gerade social networks im Reigen der Kommunikationstools ungemein hilfreich für Vertrauensbildung seien. Verstehen Kunden unsere 24/7-Verfügbarkeit also als echten Dienst? Am einfachsten lassen sich diese Fragen wohl durch learning by doing beantworten. Seit gut zwei Wochen ist nun mein Facebook-Profil online, der Selbstversuch hat bereits begonnen. Noch bin ich skeptisch… und warte auf IHR Feedback! facebook Xing

Natürlich auch gern in Form eines hoffentlich noch nicht aus der Mode gekommenen eMails…

Aber vielleicht ist meine Skepsis auch völlig unbegründet: Vor rund 100 Jahren wurde diese Diskussion in ähnlicher Form über ein mittlerweile sehr gängiges Medium geführt – das Telefon!

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Eine Antwort auf Wieviel „social“ steckt im social web?

  1. Das sind sicher richtige Gedanken Frau Neumaier,

    ganz besonders Ihr Fazit. Hier möchte ich noch einen draufsetzen. Die heutige Jugend kann sich schlicht nicht vorstellen, dass es Telefone gab, die zwei Kabel hatten: Eins zwischen Gerät und Hörer und eins zwischen Gerät und Hauswand.

    Und genau das ist der Punkt: Heute sind all Ihre Argumente unter der Überschrift „Vertrauen und persönlicher Kontakt“ nicht von der Hand zu weisen. Dennoch bin ich sicher: In spätestens zwanzig Jahren wird das jedoch eine völlig andere Gewichtung für unser Geschäft haben – in welcher Ausprägung auch immer.

    Nun kann ich mich als heute 53-jähriger darauf zurückziehen, dass ich dann ohnehin nicht mehr arbeiten werde. Ich empfehle mir stets, genaus das nicht zu tun: Denn diese neue Ausprägung wird sich über diesen Zeitraum entwickeln und nicht erst am Ende dieser Periode gleichsam über Nacht hochpoppen. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Social Media“ ist hierbei selbstverständlich: Gab´s nicht erst vor wenigen Jahren einen Hype um „Second Life“ von Linden Labs …?

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