Stuck in the middle?
Bei so viel Wettbewerb bleibt das Providerdasein ein sportliches

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Die neue, schon sechste Providerumfrage 2011 des AIMP bringt gute Nachrichten für die Kunden, nur mittelgute für die Interim Professionals. Im Untersuchungszeitraum 2010 ist der Markt ordentlich gewachsen: Es gab mehr Kunden, mehr Projekte und damit mehr Kundenprobleme, die durch Interim Management gelöst wurden. Insgesamt wuchs unser Markt um erfreuliche 16 Prozent – im Krisenjahr 2009 war die Nachfrage noch um schmerzhafte 22 Prozent gesunken.

Mit einem Anteil von 41 Prozent waren Vakanzüberbrückungen auch im vergangenen Jahr der häufigste Einsatzgrund für Interim Professionals; ein Anstieg um neun Prozent gegenüber 2009. Zweithäufigster Anlass bleibt weiterhin die klassische Projektarbeit, gefolgt von Change Management sowie Restrukturierungen als Nachwirkungen der Krise. Funktions- und branchenübergreifend gilt: Kleinere und mittelständische Firmen setzen inzwischen genauso stark auf Interim Management wie große Unternehmen.

Für die Interim Manager sind die Nachrichten hingegen nur mittelgut. Denn ihre Zahl wuchs mit dem Markt um fast 2000 Personen. Nachfrage und Angebot bewegten sich im perfekten Gleichschritt. Kein Wunder, dass Auslastung und Tagessätze für den durchschnittlichen Interim Manager praktisch konstant blieben.

Was nicht in der Umfrage steht: Für die Gesamtheit der deutschen Provider sind die Nachrichten deutlich unerfreulicher. Denn weit schneller noch als das Angebot an Interim Managern nahm die Zahl der Interim Provider zu. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber überall sehen wir neue Anbieter am Markt. Sie kommen vor allem aus drei Quellen: Personalberatung, Internet und Experten-Zusammenschlüsse.

Jahrelang ließen die Personalberater unsere Dienstleistung links liegen, manche trennten sich sogar von Interim-Töchtern. Doch seit Jahren scheinen sie unsere Branche neu zu entdecken, allen voran einige angelsächsische Anbieter.

Die zweite Quelle neuen Wettbewerbs sind Internet-Märkte, ob sie nun XING, Linked-In oder anders heißen. Kunden, die auf professionelle Beratung und Vorauswahl verzichten, können aus immer mehr digitalen Pools schöpfen. Gerade für anspruchsvolle Einsätze ist das sicher suboptimal, für viele mittlere Aufgabenstellungen wie Projektmanagement oder Controlling scheint dieser Kanal stark zu wachsen.

Schließlich nimmt auch die Selbstorganisation von Expertenteams zu. Manche organisieren sich in größeren „Sozietäten“, andere bilden Websites, hinter denen sich mal nur ein Einzelner, mal auch größere Teams verbergen. Von außen weiß man das selten. Aber auch diese Anbietergruppe nimmt zu.

Als Mitgründer und Vorsitzender des AIMP darf ich mich über solche Trends am allerwenigsten beklagen. Schließlich trug der AIMP selbst – nicht zuletzt durch jährliche Umfragen und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit – mit anderen Branchenakteuren dazu bei, dass unser Markt und sein attraktives Wachstumspotenzial immer bekannter wurden. So haben wir uns die zunehmende Konkurrenz selbst mit eingebrockt.

Doch für den Kunden sind diese Entwicklungen unterm Strich nur von Vorteil. Zwar werden Angebote und Konditionen immer weniger überschaubar, aber insgesamt steigt die Zahl der Optionen und das Preisniveau stagniert, ja sinkt zum Teil.

Als Mittler zwischen Kunden und Professionals müssen wir Provider uns eben mehr anstrengen. Aber den Schweiß der Edlen ist dieser heißer umkämpfte Markt allemal wert. Wie sagte mir neulich ein gestandener Interimer: Heute fällt dir kein Projekt mehr in den Schoss. Doch wenn es kommt, ist es der schönste Beruf der Welt!

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