Plötzlich Öko-Stromer!

Eigentlich habe ich mit Öko und Umweltschutz nicht viel am Hut. Nicht mehr als viele Bundesbürger, die einen kleinen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt leisten wollen: Ich trenne den Müll in Glas, Papier, Aluminium, Plastik, Bio und Restmüll und fahre regelmäßig zum Container, ich fahre in der Stadt immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und ich bekomme wöchentlich eine Gemüse-Kiste von einem Öko-Hof in der Nähe von München geliefert. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit diesem Thema jedoch nicht.

Anfang Februar dann die Überraschung – ich bin jetzt Öko-Stromer! Mein Stromanbieter hat – ohne zu fragen – meinen Tarif von Online-Strom auf Öko-Strom umgestellt. Was das heißt? Mein Strom wird jetzt ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewonnen. Und der Strompreis steigt nur um 3,6 Prozent – nicht wie bei anderen Anbietern um durchschnittlich 7 Prozent! Ich schütze jetzt also die Umwelt UND spare bares Geld – Zeit sich einmal Gedanken zum Thema Umweltschutz zu machen.

Energie sparen, Umwelt schützen, Ressourcen effizient einsetzen – diese Themen sind in aller Munde. Ich frage mich, welchen Beitrag der Einzelne leisten kann. Den Bio-Kraftstoff E10 tanken? Bisher ist unklar, ob der Kraftstoff möglicherweise Schaden an den Autos anrichten kann. Deshalb tanken die Autofahrer trotz steigender Sprit-Preise lieber Super Plus. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Dank des erneuten Warnstreiks der Lok-Führer standen vergangene Woche bundesweit die Züge still – Reisende waren genervt, Geschäftsleute mussten Termine absagen und viele Deutsche stiegen lieber wieder auf das Auto um – trotz zahlreicher Staus auf den Autobahnen. Öko-Strom einkaufen? Eine Studie des Umweltministeriums sagt, dass die Erneuerbaren Energien bis 2020 einen Anteil von 30 Prozent an der Stromversorgung erreichen – das reicht nicht für uns alle. Also Müll trennen – im Sinne der Wiederverwertung. Aber immer wieder hört und sieht man in den Nachrichten, dass auch der getrennte Müll am Ende in der Müllverbrennungsanlage landet. Da fragt man sich als Verbraucher, warum man sich die Mühe der Mülltrennung überhaupt machen soll? Dazu kommt, dass die Müllverbrennungsanlagen aufgrund der sinkenden Restmüll-Quote nicht ausgelastet sind – und Müll aus dem Ausland dazu kaufen. Will ich das? Und was bringt es, wenn ich in meinem Haushalt Müll trenne und parallel im Golf von Mexiko eine Ölplattform explodiert und in Japan eine Atomkatastrophe droht?

Für mich ist klar: Guter Wille allein reicht nicht, Umweltschutz spielt sich auf einer höheren Ebene ab – der Einzelne kann zwar einen Beitrag leisten, wirksame Lösungen, ökologische Rahmenbedingungen und sinnvolle Alternativen müssen aus Politik und Industrie kommen.

Wichtiger Hinweis: Am 25. März veranstaltet ZMM den Workshop Green Solutions for Companies – es soll erarbeitet werden, wie Unternehmen die Umwelt schützen und Ressourcen effizient einsetzen können. Wenn Sie Interesse an diesen Themen haben, freuen wir uns auf Ihre Teilnahme!

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