Jäger schießt Hase – die Crux mit dem Newsletter

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Ein sehr geschätzter Wettbewerber denkt ernsthaft darüber nach, seinen Kundennewsletter einzustellen. Schon seit Längerem ließ ihn das Ausbleiben fast jeglicher Resonanz unbefriedigt. Der Versuch, mit einem Mini-Fragebogen Lesermeinungen einzuholen, brachte ebenfalls kaum Antworten. Ich kann den Kollegen gut verstehen. Wieso soll man in den Wald hineinrufen, wenn es von dort nie zurückhallt?

ZMM wird dieses Kommunikationsinstrument dennoch nicht aufgeben. Erstens bekommen wir nach jeder Aussendung wenigstens einige persönliche Antwortmails, fast immer positiven Inhalts. Zweitens sind selbst die Rückläufer wertvoll, denn sie weisen auf veraltete Mail-Adressen hin. Drittes und wichtigstes Argument: Im persönlichen Gespräch, also bei Begegnungen und Telefonaten, wird unser Newsletter sehr oft anerkennend erwähnt. Viele unserer Kunden scheinen ihn also wenigstens zu überfliegen.

Viele Leser dieses Blogs arbeiten selbst in Firmen, die Newsletter haben. Jeder kennt die Frage: Wie macht man Newsletter spannend und wertvoll für die Leser? Ein guter Freund spottete mal: Schön, dass man bei Euch immer über den letzten Wiesnbesuch und das neueste Kollegen-Baby informiert wird – das sind ja hochinteressante Nachrichten. Andere holen sich prominente Gastautoren, die uns erhellendes über betriebs- oder volkswirtschaftliche Themen berichten. Dr. Wichtig und Prof. Important diskutieren über die Schuldenkrise.

Richtig spannend sind auch die Meldungen über eigene Erfolge nicht. Wenn ZMM von neuen Projektabschlüssen berichtet, ist das etwa so aufregend wie die Mitteilung, dass der Jäger wieder einen Hasen geschossen hat. Dafür ist einer doch Jäger, dass er Wildtiere erlegt, oder? (Hoffentlich denkt jetzt keiner wir verglichen unsere Kunden mit Hasen.)

Wenn wir ehrlich sind, ist kein Newsletter so informativ oder literarisch wertvoll, dass man dafür Geld bezahlen würde. Man bekommt ja auch genügend Wirtschaftsmagazine frei Haus, für die ähnliches gilt. Warum also das Ganze?

Wir bei ZMM glauben an Vertrauensbildung durch Transparenz. Wie sollen unsere Kunden einen Einblick von unseren Leistungen bekommen, wenn wir nicht darüber reden? Dienstleistungen sind – außer für den Empfänger – so unsichtbar wie der Sauerstoff in der Luft. Unser Newsletter kommt meist nur drei bis vier Mal jährlich. Dazwischen gibt es vielleicht mal eine Kurzinfo, etwa mit einem frisch erschienen Artikel. Im Durchschnitt bekommen die meisten Kunden nur alle sechs bis acht Wochen Post von ZMM. Wir erwarten von niemandem, dass er das alles von vorne bis hinten liest. Aber wir wissen und freuen uns darüber, dass viele diese kleinen Infogrüße wertschätzen.

PS: Am Montag war unser Büro zu, Mariä Himmelfahrt. Wie viele christliche Kirchen mit antikem Fundament steht dieser Feiertag auf vorchristlicher Grundlage. Kaiser Augustus führte die Feriae Augusti ein, sie galten sogar für die Sklaven. Ganz Italien feiert noch heute den Ferragosto, wie auch andere katholische Länder. Merke: Nur strenge Kalvinisten schaffen Feiertage ab. Kluge Heiden und milde Christen genießen sie als Menschheitsgeschenk.

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4 Antworten auf Jäger schießt Hase – die Crux mit dem Newsletter

  1. Dennis sagt:

    Lehrreicher Beitrag. Interessant, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel ansehen kann.

  2. Als regelmäßiger Zeitungsleser habe ich eine manchmal differenzierte Sicht auf aktuelle Themen und redaktionelle Meinungen; dennoch war ich erst zweimal in meinem Leben verleitet, einen Leserbrief zu schreiben und habe tatsächlich einmal davon auch geschrieben.

    Bei Ihrem Newsletter – Herr Görres – verhält es sich nicht anders. Die Artikel sind sehr interessant und informativ (vor allem, welche Stellen wie besetzt werden konnten, welche Branchen aktiv mit Zeitmanagern arbeiten, usw.).

    Dennoch verfasse ich keine Kommentare – nun gut, vielleicht ein- oder zweimal in meinem Leben. Meine große Bitte an Sie: Verschicken Sie Ihren regelmäßigen Newsletter weiter, d i e s e r wird gelesen !!!

    Herzliche Grüße aus Deggendorf, Josef-Klaus Huber

  3. Bernd Moldenhauer sagt:

    Natürlich lohnt es sich , den Newsletter weiterhin zu verschicken. Er wird mehr gelsen, als Sie denken. Es gibt eben viele Themen, zu denen man selbst keinen Kommentar abgibt, die aber dennoch interessant sind.

  4. Lieber Herr Dr. Görres,

    natürlich lese ich Ihre Newsletter! Allerdings fühle ich mich i.d.R. nicht bemüßigt, meinen Senf dazu zugeben. Wozu auch? Der Newsletter dient Ihrer Selbstdarstellung – nicht meiner. Und mir ist wichtig von Ihnen zu erfahren, wo sich ZMM gerade „tummelt“, wie Sie den Markt erleben und was Ihre success stories sind.

    Grüsse aus Regensburg: Rainer Krause