Braucht Deutschland eine Frauenquote?

Halt – nicht wegklicken – auch wenn Sie männlich sind, Sie das Thema Frauenquote nervt und Sie nachts schweißgebadet aufwachen, weil Ihnen Frau von der Leyen und Frau Schröder im Traum die Kündigung überbracht haben. Ich bin, obwohl Frau, Mitte 30, Mutter und Arbeitnehmerin, kein Verfechter der Frauenquote. Im Gegenteil – es gibt sogar gute Gründe, dagegen zu sein. Warum?

Foto: Skip ODonnell/Quelle: iStockphoto

  1. Ich bin der Meinung, Frauen können genauso durch Leistung überzeugen, wie Männer. Wer gute Arbeit abliefert, wird gefördert, daran glaube ich nach wie vor. Lieber weniger Frauen in Führungspositionen, die sich wirklich dafür qualifizieren, als zu viele, die dort nicht hingehören. Oder?

  2. Frauen mit Hilfe einer Quote in Führungspositionen zu hieven, wird nicht funktionieren, solange nicht die gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Ausreichend bezahlbare Kinderkrippenplätze zum Beispiel. Ich habe meinen Sohn für insgesamt 14 Münchner Kinderkrippen angemeldet, als ich in der 8 Woche schwanger war – und 14 Absagen bekommen. Seit er 11 Monate alt ist geht in eine private Krippe, in der wir mit viel Glück einen Vollzeitplatz ergattern konnten – für über 1.000 Euro im Monat.
  3. Eine Quote kann kein Bewusstsein dafür schaffen, was berufstätige Mütter wirklich brauchen. Krippenplätze, Modelle für flexible Arbeitszeiten und vor allem gesellschaftliche Anerkennung für Männer, die eine aktive Rolle in der Erziehung spielen wollen. Wie, bitte schön, soll eine Frau mit 3 Kindern einen DAX-Konzern leiten, wenn sie von ihrem Mann keinerlei Unterstützung bekommt? „Elternzeit – das akzeptiert mein Chef nicht“ oder „6 Monate zu Hause bleiben – das schadet meiner Karriere“ sind die beliebtesten Ausreden, warum Väter sich der familiären Verantwortung entziehen. Und sie tun dies vor allem deshalb, weil sie tatsächlich noch immer belächelt werden, wenn sie freiwillig in Elternzeit gehen oder eine Weile zu Hause die Kindererziehung übernehmen. Belächelt nicht nur im Job, sondern auch im Freundeskreis. Nicht für voll genommen, als Weichei abgestempelt, unterm Pantoffel stehend sozusagen. Seien Sie ehrlich – denken Sie nicht auch so?
  4. Die Frauenquote verbessert die Aufstiegschancen von Müttern nicht, nein, sie verschlechtert sie sogar. Umso mehr Frauen (Mitte 40, kinderlos, ambitioniert) mit Hilfe der Quote in Führungspositionen gekommen sind, umso weniger werden diese Frauen Teilzeitarbeitsplätze schaffen und die Karrieren von Müttern fördern, die dann (ständig) mit einem kranken Kind zu Hause bleiben.

Und was machen die, die auf politischer Ebene eine Quote und mehr Kinderbetreuungsplätze fordern, damit Frauen Karriere machen können? Kristina Schröder hat erst Karriere gemacht, jetzt erwartet sie im Sommer ihr erstes Kind und wird keine Elternzeit nehmen (Abgeordnete können aus verfassungsrechtlichen Gründen keine Elternzeit nehmen, ohne ihr Mandat zurückzugeben). Eine Betreuung für ihr Kind wird sich sicher finden lassen. Ursula von der Leyen hat lange studiert, für die Karriere ihre Mannes ihre eigene (abgebrochene Facharzt-Ausbildung) aufgegeben, ist insgesamt 7 Jahre zu Hause geblieben, um sich um die Kinder zu kümmern und ging erst mit Mitte 40 in die Politik – um dann schnell Karriere zu machen.
Beide handeln nach dem Motto: Eins nach dem andern. Es stellt sich also nicht die Frage, ob Kind oder Karriere, sondern die nach der Reihenfolge – erst Kind, dann Karriere oder umgekehrt.

PS: Auch im Interim Management sind Frauen mit Kindern rar – umso schöner, dass die Interim Managerin des Jahres 2011, Susanne Möcks-Carone, derzeit ein erfolgreiches Restrukturierungsmandat durchführt und gleichzeitig eine Tochter im Teennager-Alter hat. Geht doch!

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5 Antworten auf Braucht Deutschland eine Frauenquote?

  1. Eva Zitzler sagt:

    Nach meiner Erfahrung setzt sich Leistung immer durch und das wissen auch die Herren in Führungspositionen. Denn nicht umsonst blocken sie gut ausgebildete, intelligente Frauen ab; hier herrscht die pure Angst vor Statusverlust. Momentan sind die meisten Frauen eben leider immer noch damit beschäftigt, 2 oder mehrere Leben auf ihren Schultern zu tragen, daher fehlt allein die zahlenmässige Überlegenheit, um frauen-(besser wäre: familien-)freundliche Stukturen zu schaffen. Man könnte nun sagen, die Quote wäre ein erster Schritt dahin. Aber ganz ehrlich, wer will denn unfähige Frauen in Führungspositionen, bloß weil die Quote erfüllt werden muss? Reicht nicht schon die ganze Menge von unfähigen Männern in Führungspositionen? Nein, die Diskussion geht völlig an dem vorbei, was das Land wirklich braucht: richtige Leader, die vorleben, wie man als Mensch mit 360° Facetten eine überzeugende Führungspersönlichkeit wird. Anerkennung und Erfolg als Führungspersönlichkeit auf D a u e r bekommt nur der- oder diejenige, die gesamthaft überzeugen können. Ob Frau oder Mann.

  2. Vielleicht sollte man nicht die Männer zur Frauenquote fragen – getreu dem Motto:

    „Wenn Du den Teich trockenlegen willst, solltest Du nicht die Frösche fragen…!“

    Dessen ungeachtet landet Frau Zitzler einen Vollteffer nach einem mutigen Blogeintrag: „Reicht nicht schon die ganze Menge von unfähigen Männern in Führungspositionen?“ Hier muss ich aus tiefer Überzeugung zustimmen – als Frosch!

  3. Thomas Baukal sagt:

    Ganz am Rande sei bemerkt, dass das statistische Bundesamt am Dienstag dieser Woche mitgeteilt hat, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft seit 1996 um knapp 6% auf 27,7% aller Positionen in der ersten und zweiten Führungsebene gestiegen ist!

  4. Rainer Kurz sagt:

    Gerade bei Interimsmanagement ist die Frauenquote extrem schlecht. So sind bei Freelance-Market nur zwei der 32 Interimsmanager weiblich (siehe ). Dies ist auch ein Problem in benachbarten Branchen, so sind dort unter den 29 Projektmanagern bei http://www.freelance-market.de/c/Berater-Projektmanager auch nur 2 weiblich.

    Andererseits dominieren die Frauen sogar knapp im Coaching dominierend (6 Frauen unter 11 Coaches bei http://www.freelance-market.de/c/Coach). Vielleicht liegt das daran, das Coaching oft keine 60 Stundenwoche erfordert.

    Statt einer Quote sollte man eher alles tun, dass Frauen motiviert sind auch in das Interimsmanagement einzusteigen. Das Beste für eine bessere Frauenquote wäre wohl, wenn die Firmen mehr Teilzeit-Interimsmanager suchen würden. Man sehen ob dann irgendwann mal sogar die Frauen dort dominieren? So wie heute bereits beim Coaching.

  5. Hans sagt:

    Es ist normal, dass die Zahl der weiblichen Führungskräfte steigt. Es gibt verschiedene Initiativen, sogar Gesetze in manchen Länder, die eine bestimmte Midnestquote für Frauen sichern. Gerade bei den Freelancer kann ich aber nicht zustimmen. Einen Blick auf die Outsourcing-Plattform Origondo z.B. zeigt, dass viele von den Experten dort eigentlich Frauen sind, egal ob Programmierer oder WordPress Designer. http://www.origondo.com/de/find-experts

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