Tu felix Bregenzerwald

Foto: privat

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Neulich zwei Wochen im 300 Jahre alten Bregenzerwälder Haus verbracht, genau an der Grenze zwischen den lieblichen Vorbergen im Norden und den ersten Gipfeln, die es über die Baumgrenze schaffen. Seit einigen Jahren fällt mir auf, wie hier alles zusammenpasst, absolute Harmonie. Die Bregenzerwälder sind ein wenig zwanghaft, ganz wie alle Alemannen, und insbesondere die Schweizer und die Schwarzwälder. Kein Wunder, dass dort Europas Uhrenzentren entstanden.

Weil ich selbst schwäbisch-schweizerische Wurzeln habe, liebe ich den ganzen Südwesten von DACHistan, als Münchner natürlich auch den ganzen Südosten. Aber der Südosten ist noch nie in den Verdacht übergroßer Sparsamkeit geraten, während Schwaben, Schweizer und Allgäuer völlig zu Unrecht gern als zwanghaft verschrien werden.

Doch die Bregenzwälder haben es vorbildlich geschafft, Lokalneurosen, Landschaft, Geschichte und regionale Tourismusstrategie zu einem harmonischen Ganzen zu entwickeln. Dabei gehörte Vorarlberg – das freute mich besonders – zu den Bundesländern, die mehrheitlich für van der Bellen votierten. Spannend ist auch die dortige Mischung aus katholischem Glauben und kulturellem Kalvinismus.

Bei den „Wäldern“, wie sie sich nennen, passt einfach alles zueinander. Eine Geschichte ohne Feudaladel, Wien und der Kaiser waren weit weg. Fast eine Art Großbauernrepublik. Früher bitterarm, jetzt wohlhabend, fleißig, mit ganz niedriger Arbeitslosenquote, vielen kreativen Selbständigen. Das Land produziert köstlichen Bergkäse, mit vielen leckeren Stationen entlang der Käsestraße. Gepflegte Gastronomie mit schmackigen Lokalgerichten. Mischen Holzbau mit Bauhaus-Ästhetik. Holen sich Schweizer Stararchitekten wie Zumthor für elegante, moderne und doch anheimelnde Bauten. Haben die großartigsten Tischler der Welt. Die Edeltouristen zieht es nach Lech und Zürs, aber das gehört schon nicht mehr zum Wald. Der Wälder-Tourismus ist gepflegt bodenständig, mit kleinen Juwelen wie Schwarzenberg oder Hittisau. Viele unbekannte Dörfer haben Sternelokale. Bis in kleinste Täler hinein findet man innovative Mittelständler. Der kleine Ort Wolfurt liefert Sessellifte und Sexy Underwear in die ganze Welt.

Dann kommt man zurück und liest von den Skandalen bei Volkswagen, Bosch oder der Deutschen Bank. Dabei heißt Deutschland auf Chinesisch doch Land der Tugend. (Schauen Sie sich mal die Europakarte der Huffington Post an.)

Insgesamt sind unsere politischen Verhältnisse derzeit wohl doch erfreulicher als man es momentan von Österreich sagen könnte. Aber vom Bregenzerwald könnten wir uns eine Scheibe abschneiden. Werte und Wirklichkeit passen recht harmonisch zusammen. Und die Menschen dort sind absolut liebenswürdig.

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Die pure Freude – Start frei für die Oderberger Werkstätten

You can help

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Als Geschäftsmann freut man sich über jeden Kunden und über jedes Projekt, am meisten über Langläufer mit hohen Tagessätzen. Naheliegenderweise sind das dann stets besonders anspruchsvolle Projekte, etwa die Leitung eines Multiprojektmanagements (Project Management Office) bei einer großen Privatbank, der kulturelle und kommerzielle Umbau eines namhaften Spezial-Kaufhauses, die Mitarbeit an der Digitalstrategie eines Industriegroßhandels, die Neuausrichtung des Osteuropa-Vertriebs eines großen Auto-Zulieferers oder die Sanierung eines Navigationsgeräte-Herstellers. Das bringt nicht nur deutlich mehr Ertrag als ein Durchschnittsprojekt, es gibt mir auch die Chance, mit meiner langjährigen Beratungserfahrungen unseren Professionals und Kunden als kompetenter Sparringpartner zur Verfügung zu stehen und so von den inhaltlichen Fragen deutlich mehr mitzubekommen als bei einer bloßen Vakanzenbrücke im Mittelstand.

Mindestens genauso spannend sind aber die meist eher kleineren Projekte im Non-Profitbereich, die ZMM immer wieder übernimmt (siehe TopProjekte Non-Profit). Hier verdienen wir meist nicht viel, weil Tagessätze und sogar die relativen Margen meist niedrig sind. Aber wenn wir etwa beim König-Ludwigs-Musical mitwirken konnten, einer Kirchengemeinde bei der Verkaufsvorbereitung eines Altenpflegeheims helfen, die Finanzabteilung einer Drogenschutz-Einrichtung besetzen, mit einem progressiven Social Venture Fund eine neue, inklusionsfreundliche Technik für Schwerhörige voranbringen oder (ganz aktuell) ein Projekt verhandeln, bei dem es über eine internationale Kampagne für die kostenlose Verfügbarkeit wissenschaftlicher Texte geht – dann fühle ich mich als engagierter Staatsbürger und aktives Mitglied der Zivilgesellschaft ganz besonders angesprochen.

Als Gründer und CEO von insgesamt vier ehrenamtlichen NGOs (drei davon grün, eine davon unsere Branchenplattform AIMP) habe ich mich immer dafür eingesetzt, dass Non-Profit nicht non-professional heißen soll, ganz im Gegenteil. Gerade mit den meist begrenzten Mitteln gemeinnütziger Einrichtungen muss man besonders sorgfältig wirtschaften und so aus wenig möglichst viel machen.

Das scheint uns bei der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten GmbH gut gelungen zu sein. Vor drei Jahren erhielten wir die Aufgabe, einen Interim-Geschäftsführer zu stellen. Unser Mann kam aus einer ganz anderen Welt, nämlich der Politikberatung. Doch sein Vater war selbst einmal Leiter einer Werkstatt. Der Interim-Einsatz begann Anfang 2014 – schon wenige Wochen später ging das Interim-Mandat in eine Festanstellung über. Kunde und Manager verstanden sich bestens. Vorgestern erhielt ich die Einladung von Geschäftsführer und Aufsichtsratvorsitzenden: Das ehemals schleppende Projekt eines Umzugs von 120 Menschen mit Behinderung in eine komplett neu errichtete Werkstätte ist abgeschlossen und wird gefeiert. Handschriftlich fügt Geschäftsführer Jens Maceiczyk hinzu: Letztlich ist dieser Erfolg auch Ihrem Hause zu verdanken.

Für mich gehört es zum Charme der öko-sozialen Marktwirtschaft, dass man als Unternehmer beides balancieren kann: Bewährung im Wettbewerb und Engagement fürs Gemeinwohl. Manchmal lässt es sich konfliktfrei kombinieren. Deshalb kamen bei ZMM über die Jahre eine ganze Reihe sozialer Projekte zustande.

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Marketing-Idee aus Ungarn: Mehr Sabbaticals mit Interimern

Photo: williamveder / photocase.de

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Einer meiner besten Öko-Freunde hat einen kreativen Sohn, Áron Lukacs. Áron ist Interim Manager und schreibt überdies im BBJ, dem Budapest Business Journal. Er wundert sich, warum gerade gute und erfolgreiche Manager so gut wie nie Sabbaticals machen (BBJ-Beitrag lesen).

Folgt man Áron, dann lässt unsere gesamte Interim-Branche gewaltige Absatzpotentiale brach liegen. Warum arbeiten wir nicht mit Reisebüros zusammen? Neben den Prospekten von TUI und FTI läge eine ZMM-Broschüre aus: ZMM übernimmt Ihr Büro, Sie fahren nach Lepanto. Mit Interim Professionals entspannt in den Langzeit-Urlaub. ZMM könnte auch die entsprechenden Wohnungen vermitteln, in Kooperation mit Sabbatical Homes. Und wenn gestresste Top Manager auf diese Weise in die Lage kämen, eine Väterauszeit zu nehmen, käme das auch den Familien und der Gleichberechtigung zugute.

Aber Spaß beiseite, hat Áron nicht Recht? Vielleicht beantragt der eine oder andere unserer Leser jetzt schon sein nächstes Vaterschafts-Sabbatical beim Aufsichtsrat. Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung dazu.

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