Schwarmaktivitäten lohnen sich –
Momente der Wahrheit im Leben von Interim Professionals und Providern

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Quelle: AIMP

Weit über 100 Interim Professionals und Provider kamen wieder in der künstlichen Burgruine oberhalb von Johannisberg im Rheingau zusammen, bei herrlichstem Wetter. Unten floss der Rhein, oben der Wein, jedenfalls am Freitagabend. Schon die Wahl der drei neuen Interim Manager des Jahres – Gabriele SchmitzHans-Eckhart Hilgenstock und Dr. Stephan Mayer – war Anlass zum Feiern genug.

Highlights gab es auch am Samstag genug, etwa die neue Providerumfrage mit wiederum erfreulichen Erkenntnissen. Der deutsche Interim-Markt ist auf 1,962 Mrd. € gewachsen (2010 noch 1,448), die Zahl der Interim Professionals von 13.000 auf 15.000. Nur noch 25% der Kunden kennen unser Angebot nicht – bei der ersten Umfrage 2006 waren dies noch 43%. Mit der Zahl der Anbieter wachsen Wettbewerbsintensität und Preissensitivität der Kunden. Für die Provider bleibt der Eigenvertrieb fundamental, nur noch ein Zehntel der Projekte kommt über Mittler. Und: Website und Social Media werden immer wichtiger im Vertrieb.

Die HR-Bereiche erleben wir nicht selten als Interim-Skeptiker. Doch zugleich machen sie über 30% der Interim-Einsätze aus. Weiterhin gilt: zwei Drittel unserer Kundenfirmen haben weniger als 1000 Mitarbeiter. Häufigster Ansatz für Interim-Lösungen bleibt weiterhin der undramatischste, nämlich die Überbrückung einer Vakanz (wie schon 2010 in 41% der Fälle).

Unsere externen Referenten Olaf Straesser (burnout akademie) und Urs Beckmann (GEA Heat Exchangers) gaben uns wichtige Tipps für den besseren Umgang mit Burnouts und die schrittweise Erziehung unserer Kunden zur vollen Marktreife.

In meinem eigenen Beitrag (Schwärmen vom Schwarm) plädierte ich für Gemeinschaftssinn und Schwarmgeist – auch und gerade in einem Markt voller Einzelkämpfer. Je größer der Markt und je intensiver der Wettbewerb, umso wichtiger und kostbarer werden die Momente der Wahrheit, in denen wir uns persönlich begegnen. Im Jahresverlauf, aber auch im Ablauf der meisten Projekte, treffen Professionals und Provider meist nur selten zusammen. Doch gerade diese Gelegenheiten gilt es zu nutzen, um das gegenseitige Vertrauen und die Zurufqualität der Zusammenarbeit zu entwickeln. Sie haben eine extreme Hebelwirkung: Gelingen sie, gelingt auch sehr viel mehr. Missraten sie, missrät meist die komplette Zusammenarbeit.

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Schwarmgeister auf Burg Schreckenstein:
Freitag und Samstag wieder heiße Interim-Debatten zu erhoffen

Gut dass ich diesen Blog gestern abliefern musste, so konnte ich endlich meinen Beitrag andenken. Kollege J.Becker muss Pirat sein, denn zur Themenfindung wählte er eine basisdemokratische Schwarmbefragung. So kam er nicht nur zu seinen merkwürdigen Workshopthemen, sondern auch zum Gesamttitel unserer Tagung: Schwarmintelligenz im Interim Management

Hat da jemand zu viel Frank Schätzing gelesen? Vage erinnere ich mich. Das Buch war extrem fesselnd. Besonders gut gefiel mir Leon Anawak, Walforscher und Inuk. War das nun ein Eskimo oder ein Indianer?

Wie Schätzings Buch kann uns der Tagungstitel zu Phantasie und mancherlei Fragen anregen. Was kann unser Schwarm besser als das Individuum? Gelingt uns ein Minimum an Loyalität, Kodex-Denken und Konsens? Gibt es eine Art Esprit de Corps, gibt es andere „Öffentliche Güter“ im Kontext einer größer werdenden Branche?

Über die Kollektivintelligenz der Yrr schreibt Wikipedia: Jeder einzelne Yrr kann in bestimmten Grenzen denken. In „hypervariablen Bereiche“ ihrer DNA können sie mittels gezielter Nicht-Reparatur ihrer DNA Informationen in einer einzigen Zelle abspeichern. Diese Informationen werden durch Zusammenschluss mehrerer Einzeller an andere Yrr weitergegeben. Auf diese Weise „aktualisieren“ die Yrr-Zellen sich gegenseitig in ihrem Wissensstand und können sich auch Millionen Jahre zurückliegende Ereignisse merken und mitteilen. Die Yrr befinden sich nahezu kontinuierlich in einem zellulären Zusammenschluss. Sie verfügen über „Kollektivbewusstsein“ und „Kollektivintelligenz“ und können strategisch denken. Moral, im menschlichen Sinne, spielt für sie keine Rolle. Aber sollten sich Interim-Anbieter ausgerechnet an den Yrr ein Beispiel nehmen?

Wie groß der Schwarm tatsächlich ist, diese Frage beschäftigt mich schon seit Jahren. Den elitären Kleinrednern unserer kollektiven Größe habe ich nie getraut. Sprüche wie Es gibt nur 1000 (2000, 3000?) richtige Interim Manager in Deutschland haben nur eine Funktion: Nämlich das eigene Angebot als möglichst edel, exklusiv und kostbar erscheinen zu lassen. Um Wahrheit geht es dabei nicht.

Wir werden am Samstag neue Evidenz vorlegen, dass allein in Deutschland 15.000, vielleicht gar 20.000 Interim Manager ihren Wohnsitz haben. Mit den in Schweiz und Österreich domizilierten Kollegen kommen wir dann in Richtung 25.000 Personen.

Keine Sorge: Auch in größerer Zahl werden Deutschlands Interim Professionals niemals zu kollektiver Gallertmasse verschmelzen, wie die berühmten Yrr. Im Alltag bleibt jeder Interimer weitgehend auf sich gestellt. Aber immerhin: An bestimmten Tagen und Orten kann man sich zusammenfinden und miteinander reden. So wie dieses Wochenende auf Burg Schwarzenstein.

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Ein Hoch auf das Holländische Modell!
Auch vertraglich liegt unser Lieblingsplatz zwischen Kunde und Experte

Wenn in unserer Branche vom Angelsächsischen Modell (AM) die Rede ist, dann ist kein neoliberaler Gegenentwurf zur kontinentaleuropäischen Sozialen Marktwirtschaft gemeint. Es geht lediglich um eine von zwei marktüblichen Varianten der Vertragsgestaltung. Beim AM hat der Kunde zwei Vertragspartner: Ein direkter Vertrag mit dem Interim Professional regelt dessen Honorar und Arbeitsbedingungen. Ein paralleler Vertrag mit dem Interim Provider sichert diesem sein Honorar.

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In Deutschland ist das Holländische Modell (HM) weitaus üblicher, ich finde zurecht. Hier steht der Interim Provider zwischen Kunde und Experte: Wir kontrahieren mit beiden Seiten. Der Experte schickt uns am Monatsende seine Rechnung, wir unsere an den Kunden. Gegenüber dem Kunden bleiben wir dadurch in der Verantwortung für die Leistungserstellung des Interim Managers. Wie bei einer Beratungsfirma muss der Kunde sich an uns wenden, wenn die Qualität nicht stimmt. Und dem Experten gegenüber müssen wir uns um ein Mindestmaß an Supervision bemühen – also das Projekt wenigstens so weit verfolgen, dass wir uns ein gutes Bild von der Leistungsqualität des Managers verschaffen können. Wenn der Interim Manager keine hinreichende Leistung erbringt, können und müssen wir ihn gegebenenfalls austauschen. Beides dient der Qualitätssicherung.

Unter dem englischen Modell gehen mit der Trennung von Honorar- und Leistungskomponente der Leistungs- und Qualitätsbezug des Providerhonorars leicht verloren. Mit jedem Monat, um den das Projekt länger dauert, gerät die Erinnerung an die ursprüngliche Vermittlungsleistung des Providers mehr aus dem Auge. Das Vermittlungs- und Betreuungshonorar des Providers erscheint nur noch wie eine lästige Steuer auf das Leistungshonorar des Experten. Letztlich kann das Modell zwischen beide einen gefährlichen Keil treiben.

Ich bin hier ganz ehrlich: Wir sind große Anhänger des Modells aus Holland. Aus Kundensicht bilden Experte und Provider eine Einheit. Umgekehrt gilt: Dem Experten gegenüber vertritt der Provider die Interessen und die Auftraggeberrolle des Kunden. Insoweit wird auch der Experte Interim Provider und Kunden eher als eine Einheit wahrnehmen. Fast automatisch rückt der Provider somit in die Rolle, die er am liebsten spielt: Die des fairen Mittlers und Maklers zwischen beiden Seiten. Und muss unser Kunde wirklich wissen, wie sich das Gesamthonorar zwischen Provider und Experte aufteilt? Legt denn er seinen Kunden gegenüber seine Verdienstspannen gern offen?

Ob wir Provider es wollen oder nicht: Unser Honoraranteil wird im Streitfall immer nur als Maklerlohn gesehen. Ein Kunde, der sich mit uns überworfen hat, legt keinen Wert mehr auf unsere laufende Projektbetreuung. Und wie der Volksmund sagt: Maklers Müh‘ ist oft vergebens. Auch deshalb haben wir das angelsächsische Modell nur selten angewandt – meist ohne Begeisterung und fast immer mit Problemen, die im HM gar nicht erst auftreten würden. De facto bietet das holländische Modell uns Providern einen besseren Schutz vor der mitunter lauernden Gefahr, dass sich Kunden und Experten am Provider vorbei und auf dessen Kosten untereinander einigen. Nach unserer Erfahrung ist das für die Hygiene der Zusammenarbeit fast immer ein Gewinn.

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Das Webportal, Ihr stummer Sklave
Wie sollen da optimale Lösungen entstehen, ganz ohne Dialog?

Foto: BrianAJackson/Quelle: iStockphoto

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Wir wundern uns immer ein wenig, warum Webportale – nur angeblich oder tatsächlich? – so stark wachsen. Dort scheint alles so einfach. Ein Kunde füllt ein Formular aus, macht ein paar Eingaben zu Branche, Funktion, Lebensalter, Sprachkenntnissen usw., und schwupps: Schon liefert ihm das Portal eine überzeugende Auswahl passender Lebensläufe!?! Wie soll das nur funktionieren? Entweder sind die Kunden schlauer als unsere besten Profiler, oder die Datenbankalgorithmen besser als bei unserer Datenbank, ganz bestimmt.

Irgendwas machen wir falsch. Wir haben selbst eine tolle Datenbank. In ihr suchen wir mit allerlei Stichwörtern und Suchbegriffen nach dem richtigen Profil. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals die erste Ausbeute einer solchen Abfrage mit dem identisch war, was wir dem Kunden letztendlich vorschlugen.

Meist diskutieren wir im Kollegenkreis über den optimalen Kandidaten für eine gegebene Anfrage. Es ist eine Art Brainstorming, nur ohne das Verbot sofortiger Kritik. Viele Vorschläge werden sogleich wieder abgeschossen. Aber in diesem Prozess merkt das Team meist besser, worauf es wirklich ankommt. Die Kriterien werden diskutiert und nachgeschärft. Das Ergebnis der zweiten Runde ist dann deutlich überzeugender.

Nicht selten kommen die besten Vorschläge nur mit Querdenken zustande. Darunter sind dann Experten, die wichtige Suchkriterien gar nicht erfüllen. Keine Datenbank hätte diese Vorschläge ausgespuckt. Doch gerade diese Lebensläufe sollte der Kunde nach unserer Erfahrung besonders genau prüfen.

Oft genug stellen wir dem Kunden schon bei der Anfragenaufnahme intensive Rückfragen, die meist zu einer gemeinsamen Modifikation des Anfrageprofils führen. Gute Rückfragen des Dienstleisters verändern das Anfrageprofil des Kunden. Auch ein guter Verkäufer bringt sie dazu, das Geschäft mit einem ganz anderen Buch, Geschenk oder sonstigen Kaufgegenstand zu verlassen, als sie eigentlich kaufen wollten, oder ohne Beratung gekauft hätten.

Solche Sicherheitsschleifen und nachdenklichen Konversationen bietet Ihnen kein Internet-Portal, zumindest nicht beim heutigen Stand der Technik. Einmal suchte ein Kunde einen Logistiker für sein Sägewerk. Er war äußerst unzufrieden mit dem Missverhältnis seiner Lagerbestände zur tatsächlichen Nachfrage. Bestimmte Stücke waren immer im Überangebot, von anderen gab es immer zu wenig. Nach kurzer Diskussion mit uns änderte er sein Anfrage um 180 Grad: Nun wollte er einen Marketing-Menschen. Das Gespräch hatte ihn zu der Einsicht geführt, dass der wirkliche Fehler nicht bei der Logistik, sondern einer falschen Preispolitik lag.

Heute kann man vieles im Internet kaufen. Am besten aber wohldefinierte Produkte, die nicht beratungsintensiv sind. Je individueller die Lösung sein soll, desto weniger internet-tauglich dürfte sie sein. Warum sprechen sie nicht mit uns? Hier antworten Menschen.

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Ambition, Resonanz und Community
Gilt Assigs und Echters neues Karrierebuch auch für Interim Professionals?

Quelle: Campus Verlag

Quelle: Campus Verlag

Gute Bücher verkürzen Zugfahrten. In ihrer Neuerscheinung Ambition geht es Dorothea Assig und Dorothee Echter um die Geheimnisse der Aufsteiger. Dass Ehrgeiz im Kern steht, überrascht nicht, ebenso wenig der Drang, sein Können ständig zu verbessern. Hier zitieren die beiden die 10.000-Stundenregel meines Lieblingsautors Malcolm Gladwell. Nicht geniale Gene, sondern beharrliches Üben macht den Meister. Übrigens eine demokratische Botschaft. Gene kann man nicht ändern, üben kann jeder.

Bei unseren Interim Managern passt das alles. Zur Ambition gehört nicht selten, dass man es den früheren Linienkollegen zeigen möchte. Aber auch die Sehnsucht nach Freiheit. Auf 10.000 Stunden kann ein tüchtiger Interimer schon in vier Jahren kommen. Auch Interim ist ein Lehrberuf.

Spannend die These, dass Stabilisierung der Psyche entscheidend ist. Nicht bloß weil höhere Strecken auch höhere Stressresistenz und Gelassenheit verlangen, das wäre für Coaching-Profis wie Echter und Assig zu trivial. Es ist tückischer. Das heimliche innere Wollen stellt sich dem äußeren Fortkommen in den Weg. Es will Dich im gemütlichen Flachland halten und verführt Dich zum Stolpern auf steileren Pfaden. Eigentore sind die gefährlichsten Karrierestopper. Dennoch eine demokratische Nachricht: Daran kannst Du arbeiten.

Für Interim Manager vielleicht am schwierigsten: Die gute Resonanz in der eigenen Community. Kaum hat sich der Projektnomade Anerkennung und Fans erworben, zieht er schon weiter, in die nächste neue Gemeinde. Muss er immer neu und bei null beginnen? Mühsam. Hier sind wir stolz, dass wir zu den Branchenpionieren gehören, die Plattformen schufen. Auch Interim Manager brauchen Austausch in der Peer Group. Nur so können sie sich mit ihresgleichen messen und vernetzen. Im Kreis der Kollegen und professionellen Provider entsteht mehr Resonanz, als wir selbst für möglich gehalten hätten. Wer’s nicht glaubt: Kommen Sie zum AIMP-Jahresforum 2012 Ende April! Übrigens: Dorothee Echter sprach schon auf zwei AIMP-Treffen: 2006 auf dem Münchner Regional-FIM® und 2010 auf dem AIMP-Jahres-FIM. Beide Male mit Bestbeurteilung der Gäste.

Wenn alles klappt erreichen Sie die Passhöhe und damit den Punkt, wo Sie immer stärker ihre eigene Arena wählen. Sie bekommen genug Anfragen, um nicht jede annehmen zu müssen. Sie senden und empfangen Respekt. Sie haben viel mehr Einfluss auf Ihre Rolle, Ihren Tagessatz und Ihre Mandanten und Mandate, als dies anfangs der Fall war. Plötzlich arbeitet die Zeit für Sie und nicht gegen Sie.

Muss man mit allem einverstanden sein, was Assig und Echter verkünden? Natürlich nicht. Aber Haare in der Suppe suchen und Kleinigkeiten bekritteln? Das wäre nach Ansicht ihrer Karriere-Lehre ganz verkehrt. Eben eines der Eigentore. Wer zur Elite gehört, hat Nörgeln nicht mehr nötig, jedenfalls nicht innerhalb der Peer Group. Dort genießt man das Gute und übergeht kleine Differenzen mit Schweigen.

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Stunden der Wahrheit im Kontext einer Bodenseeüberquerung

Foto: infospeed/Quelle: iStockphoto

Die beste Landverbindung zwischen München und Zürich bieten immer noch die alten ECs, die die Strecke mehrfach täglich machen. Vorne hängt eine der uralten 218-Dieselloks, rot und kantig. Obwohl die Schweizer dem Freistaat für die Elektrifizierung der Allgäubahn (ehemals Teil der Ludwig-Süd-Nord-Bahn) 50 Millionen Euro vorstrecken, ist der Streckenabschnitt Geltendorf-Lindau noch immer ohne Oberleitung. Bis endlich der Festlandsbahnhof Lindau-Reutin kommt, muss (darf?) der Zug wohl noch viele Jahre in den herrlichen altmodischen Inselbahnhof einfahren. Der Lokwechsel macht es nicht schneller.

Trotz solcher Hemmnisse fahren wir nach exakt vier Stunden im Flughafen Zürich ein, wo wir einem Kunden zwei erfahrene Handelssanierer vorstellen. Nach einem der Gespräche wundert sich ein Kundenvertreter: „Ihre Kandidaten machen das ja sehr eloquent – als ob sie es geübt hätten“. In der Tat: Wenn der typische festangestellte Manager vielleicht alle fünf Jahre ein Vorstellungsgespräch bei neuen Arbeitgebern hat, so erlebt dies ein Interim Professional nicht selten fünf bis sechs Mal jährlich.

Trotzdem werden solche Vorstellungen für keinen Interimer und keinen Provider jemals Routine sein. Dies ist unser Augenblick der Wahrheit. Hier geht es ums Ganze, insbesondere für die Kandidaten. Für den Provider ist es ökonomisch wichtig, in diesen harten Zeiten zählt jedes Projekt, klaro. Für den Interim Manager ist es noch viel elementarer. Für ihn geht es darum, ob er die nächsten Monate wieder einen Job hat oder nicht. Bei nicht wenigen lag ja das letzte Projekt oft schon eine ganze Weile zurück. Solche Gespräche sind wichtig. Niemand nimmt sie auf die leichte Schulter. Und nirgendwo lernen wir unsere Professionals besser kennen. Unsere Gegenüber sind nur scheinbar vergnügliche Gesprächspartner. In Wirklichkeit achten sie auf jedes Wort und jede Geste – eben Profis.

Am Dienstag fahre ich mit einem der beiden Bewerber nach München. Der Kunde gab uns schnell das Feedback, welcher unserer beiden Kandidaten ihm besser gefiel. Noch so ein Wahrheitsmoment. Der andere ist noch im Rennen, gegen weitere Konkurrenten. Diesmal gibt es den direkten EC nicht passend. Will man nicht erst zwei Stunden auf den Flieger warten und dann 600 € für 45 Flugminuten bezahlen, bleibt nur die allermalerischste Verbindung: Mit der Fähre von Romanshorn nach Friedrichshafen.

So sitzen wir nun mit unseren Anzügen und Rollköfferchen inmitten einer Ausflugsgesellschaft älterer Damen und trinken Milchkaffee. Die Sonne scheint, man sieht alle Ufer. Immerhin drohen uns keine Überraschungen wie damals dem Reiter, der ahnungslos über den zugefrorenen See geritten war. Als er am anderen Ufer ankam und dies erfuhr, soll er tot vom Pferd gefallen sein. Unser Moment der Wahrheit war weniger hart.

Mit vier verschiedenen Zügen und einem Schiff brauchten wir fünf Stunden, um nach München zu kommen. Im Auto wäre das schneller gegangen. Aber wer will schon dreieinhalb Stunden nur Verkehrstafeln und Kennzeichenschilder lesen?

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Dabei sein ist nicht alles!
Doch wenn Kandidaten sich vorstellen, gehört der Provider an den Tisch

Foto: Andrey Popov/Quelle: iStockphoto

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Lieber Herr W., vielleicht unterschätzen wir das Ausmaß an Vertrauen, das wir unseren Kunden abverlangen. Wenn ein Kunde Bewerber einlädt, legt er Vertrauliches auf den Tisch. Etwa Probleme, die das Unternehmen hat. Oder streng geheime Pläne. Nichts was man Fremden gern erzählt. Wir sollten klarer anerkennen, wie sehr wir es schätzen, dass 99 Prozent unserer Kunden uns an diesen Gesprächen teilnehmen lassen.

Diese Teilnahme ist ein wichtiger Teil unserer Dienstleistung. Sie geschieht letztlich im Interesse von Kunden wie Kandidaten. Beginnen wir mit den Kandidaten: Würden wir diese nur oberflächlich kennen, so könnten wir dem Kunden kaum mehr Sicherheit bieten als eine x-beliebige Internetplattform. Noch so viele nette Gespräche bei ZMM ersetzen aber nicht den Ernstfall Vorstellungsgespräch. Beim Erstgespräch mit einem Provider geht es für einen Kandidaten vorerst nur darum, ob er und wir finden, dass er sich unserem Pool anschließen sollte. Beim Vorstellungsgespräch beim Kunden geht‘s um die Wurst. Um einen Projekteinsatz von mehrerer Monaten, vielleicht sogar um eine Festanstellung. Im ersten Fall nur um Perspektiven, im zweiten um echtes Geld.

Glauben Sie uns, bei solchen Kundenvorstellungen lernen wir die Kandidaten besser kennen als in vielen noch so netten Treffen bei ZMM. Je besser wir einen Kandidaten kennen, desto besser können wir einschätzen, wo seine Stärken liegen. Am besten lernen wir die Kandidaten in echten Einsätzen kennen. Aber den ersten Einsatz bekommt ein Interim-Bewerber nur selten schon nach der ersten Vorstellung, meist erst nach drei oder mehr solcher Gespräche. Von Gespräch zu Gespräch lernen wir ihn besser kennen.

Diese bessere Kandidatenkenntnis kommt voll unseren Kunden zugute. Lebensläufe zu finden ist heute keine Kunst mehr. Lebensläufe und die dahinter stehende Person gut zu kennen: das ist unser Qualitätsversprechen an unsere Kunden. Wenn Kunden uns die Teilnahme an den Vorstellungsgesprächen gestatten, helfen sie auch uns, die Kandidatenkenntnis zu verbessern.

Sie mögen nun einwenden, das mag ja dem nächsten Kunden helfen, wir selbst brauchen den Provider aber nicht am Tisch, um eine gute Entscheidung zu treffen. Bezogen auf ein Gespräch mag das stimmen. Aber wenn der Kandidat Sie nicht überzeugt? Wie sollen wir dann nachempfinden, wo wir Ihre Erwartungen falsch eingeschätzt haben, oder die Anforderungen des Projekts? Beides verstehen wir am besten, wenn wir auch an den Auswahlgesprächen beteiligt sind. Wenn erste Kandidaten nicht überzeugen, haben wir dann wenigsten eine gute Chance, in der nächsten Runde eine bessere Wahl zu treffen. Das gilt auch für Fälle, wo ein Kandidat zunächst überzeugt, aber dann doch noch absagt. Auch das kommt vor. Nach 15 Jahren wissen wir: Je genauer unser Wissen über Kunden und Kandidaten, desto besser werden wir beiden gerecht. Und Vorstellungsgespräche sind – abgesehen von echten Projekterfahrungen – die wichtigste Quelle solchen Wissens.

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Wir sind mehr als ein Prozent!
Eine große Nachricht für einen kleinen Planeten

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Über die Ergebnisse unserer Poolanalyse vom Herbst 2011 sind wir AIMP-Provider selbst nicht wenig erstaunt. Aber es überwiegt die Freude: Wir sind als Branche in Deutschland weit größer als wir dachten. Das mit der Poolanalyse kam so: Schon jahrelang hatten wir die Idee, einfach mal zu zählen, wie viele Manager ein gedachter AIMP-Pool umfassen würde. Wenn man alle Mitgliederpools zusammenwürfe, natürlich ohne Doppelzählungen.

Deren Bereinigung war das Problem: Wie kann man Zahlen konsolidieren, ohne sensible Personendaten zu kommunizieren? Irgendeiner hatte die zündende Idee, und natürlich vergaben wir die Durchführung extern: Alle Mitglieder schickten ihre anonymisierten Daten einer IT-Firma, nur PLZ und Geburtsdatum. Die meisten von uns haben Pools von 2000 bis 3000 Managern. Allerdings dachten wir, wer sich bei A oder B registriert, ist oft auch bei C oder D gelistet. Doch die Überlappungen waren viel kleiner als erwartet. Überrascht stellten wir fest: Allein mit Wohnsitz in Deutschland sind bei den sieben AIMP-Providern 11.000 Interim Professionals erfasst! Und dabei hatten wir alle nur unsere Kernpools gemeldet, dabei kennt jeder Provider viele weitere Experten, die aus verschiedensten Gründen nicht im Pool geführt werden.

Von da weiterzurechnen, war nicht schwer. Wenn allein in unseren sieben Kernpools schon 11.000 Personen erfasst sind – kann dann unsere letztjährige Hochrechnung, aus der AIMP-Providerumfrage 2011, mit einer Gesamtmarktschätzung von 13.500 Interims, überhaupt noch stimmen? Ist wirklich anzunehmen, dass lediglich 2.500 Interim Manager in Deutschland sich nicht bei uns registriert haben? Das wäre mehr als vermessen. Wir wissen, dass es außerhalb des AIMP noch zahlreiche Provider gibt, auch große und namhafte mit umfangreichen Pools. Wir wissen ebenso, dass eine nicht unerkleckliche und wohl nie ganz erfassbare Zahl von Interim Professionals sich nirgends registriert, jedenfalls nicht bei Providern. Wäre es nicht schon ein stolzes Ergebnis, wenn wir annehmen könnten, dass sich gut die Hälfte aller inländischen Interim Manager bei uns listen ließ?

So kamen die meisten von uns zu dem Schluss, dass die Gesamtzahl der in Deutschland domizilierten Interim-Experten deutlich über 15.000 liegt, vielleicht sogar näher bei 20.000. Und das, obwohl andere Branchenakteure den Gesamtmarkt viel kleiner sehen und von Zahlen im mittleren einstelligen 1000er-Bereich sprechen.

All dies wollte ich einem Journalisten erzählen, auf hohen News Value hoffend. Dieser winkte ab: Das ist doch nur eine kleine Nische. Natürlich hat er recht. Verglichen mit 800.000 Zeitarbeitnehmern wären auch 15 bis 20.000 Interims nur 2 oder 2,5 Prozent. Verglichen mit 60.000 Unternehmensberatern wären wir immerhin ein Viertel oder sogar ein Drittel. Ich sagte dann, schon leicht resignativ: Pluto ist vielleicht der kleinste aller Planeten und verglichen mit Jupiter oder Saturn ein absoluter Winzling. Aber wenn die Plutoner erfahren, dass sie doppelt so viele sind als bisher gedacht, ist das für sie etwa nicht wichtig? Und verdiente nicht auch der Rest der Welt, dies zu erfahren?

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Die besten Kunden der (Interim-) Welt!

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Hatte ich nicht vor Kurzem einen Blog eines Mitbewerbers gelesen, wie mühsam oftmals der Kontakt zum Kunden und zum richtigen Ansprechpartner ist? Dass man immer wieder neu erklären muss, was wir tun und was wir können? Deswegen und im Sinne eines guten Jahresauftakts 2012 möchte ich heute einmal ein großes Danke an die besten Kunden der Interim-Branche – nämlich unsere treuen ZMM-Kunden – loswerden:  

 

Fall 1:
Interim Manager X befindet sich seit drei Monaten in seinem ersten IM-Mandat nach seiner Zeit als Angestellter; schon nach wenigen Wochen zeigt sich, dass insbesondere das flexible Projektumfeld für ihn zur Herausforderung wird. In einem ersten Qualitätsgespräch allerdings wird schnell klar, dass der Kunde dennoch sehr zufrieden mit der Leistung des ZMM-Managers ist und an dem IM-Einsatz festhalten will, der Vertrag wird verlängert. Wenig später steht der Manager kurz vor dem Burn-out; Umfeld und Aufgabe waren in Verbindung mit der privaten Situation zu viel für ihn; das Projekt wird doch vorzeitig beendet. Und unser Kunde? Hat vollstes Verständnis für den Manager und die Situation, einigt sich schnell über die Vertragsauflösung und bedankt sich für das Projekt und den guten Service von ZMM. Fortsetzung der langjährigen Geschäftsbeziehung: ausdrücklich erwünscht!

Fall 2:
Über einen sehr erfolgreich IM-Einsatz eines unserer Top-HR-Managers in einem Pharmakonzern (er nimmt inzwischen die dritte Aufgabe im Konzern wahr) ergibt sich eine weitere ZMM-Anfrage nach einem Interim Recruiting Manager, Bearbeitung: exklusiv! Schon nach kurzer Zeit konnten wir eine Top-HR-Managerin vorstellen, der Kunde ist begeistert. ABER: Die Managerin hat zwei gleichwertige IM-Angebote, davon eines in Heimatnähe, die Entscheidung fällt gegen unser Mandat. Unser Kunde reagiert wie? Richtig, mit absolutem Verständnis für ZMM und die Managerin. Aufgrund der offenen Kommunikation konnte er die Situation von Anfang an nachvollziehen. Und der Dank: Wir sind weiterhin geschätzter Partner zur Besetzung von IM-Mandaten und haben weitere Positionen in Besprechung.

Fall 3:
Anfrage nach einem Interim Manager Controlling zur Vakanzüberbrückung, Anfrage am  Montag, Angebot am Mittwoch, Rückmeldung am Freitag, Erstgespräch am folgenden Dienstag, Zweitgespräch am Mittwoch, Start am Donnerstag!

So macht die Angebotsphase und -bearbeitung richtig Spaß. Der Kunde hat seine Aussage, dass er kurzfristig Unterstützung braucht, eingehalten und vor allem umgesetzt.

ZUM NEUEN JAHR EIN HERZLICHES DANKE an unsere Kunden!

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Das ZMM-Team wünscht allen Geschäftsfreunden ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr!

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