Frooggies oder Freunde?

Unsere Löwenhöhle ist das Vorstellungsgespräch
Reflexionen zum 20. Gründungstag von ZMM

Manchmal genügen eine zündende Idee und ein begeisterter Sponsor, um ein Startup auf die Erfolgsspur zu bringen. Jochen Schweizer soll gegen die Regeln der VOX-Gründer-Show verstoßen haben, als er sich an einem in „Höhle der Löwen“ auch von ihm abgelehnten Pulver-Smoothie namens Frooggies nachträglich doch noch beteiligte.

Quelle: pixabay.com

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Mein Problem: Bei der Gründung von ZMM am 1. November 1996 ging es weder um ein neues Produkt noch um ein neues Geschäftsmodell. Ich sah mich nicht als technischer Innovator und setzte nicht auf den Einstieg eines großzügigen Sponsors. Meine Geschäftsidee unterschied sich nicht wesentlich von den Modellen anderer seriöser Provider, von denen es damals in Deutschland schon eine Reihe gab. Der Interim-Markt begann gerade Fahrt aufzunehmen.

Statt der Idee hatte ich einen persönlichen Traum, nämlich Unternehmer zu werden. Immerhin konnte ich davon die Münchner Stadtsparkasse überzeugen: Sie lieh mir 50.000 DM, im Grunde nur auf Basis eines knappen Business-Plans mit beigefügtem Excel-Sheet. Ich fand das generös. Jetzt fehlten nur noch die Kunden.

Was ich nicht wissen konnte: Von den Projekten der ersten drei Jahre sollten über zwei Drittel von guten Freunden kommen. Um Fremde zu überzeugen, brauchst du Referenzen. Referenzen bekommst Du über Projekte. Aus diesem Teufelskreis kommst Du nur heraus, wenn Dir wenigstens ein paar Menschen ihr Vertrauen auch ohne Referenzen schenken. Die meisten, die das taten, waren Freunde aus unterschiedlichen Lebensphasen. (Zur Ermutigung anderer Gründer beschrieb ich diese Erfahrungen einmal, unter dem Titel From Zero to Hero).

Die älteste Dankbarkeit nach zwanzig Jahren ZMM gilt somit meinen Starthelfern aus dem Freundeskreis, und natürlich der SSKM. Nach zwei, drei Jahren wuchs auch das Team. Ihm gegenüber wird die Dankbarkeit Jahr für Jahr größer, so wie auch das Team Jahr für Jahr besser wird. Nicht nur, weil wir alle in der Zusammenarbeit mehr operative Exzellenz entwickeln. Vor allem, weil nur die Hälfte unseres kostbarsten Vermögens in der Datenbank steckt. Die andere Hälfte steckt in den Köpfen der Kollegen. Ich spreche von der sich über die Jahre vertiefenden persönlichen Kenntnis unserer Interim Professionals.

zmm-20-jahre-cmykAber die Marktwirtschaft ist das Königreich des Kunden, ihm gilt der größte Dank unseres gesamten Teams. Die Kunden lassen uns an den wohl wichtigsten Entscheidungen mitwirken, die Manager treffen können: Wichtige Führungspositionen richtig zu besetzen. Deswegen gehören Kandidatenvorstellungen zu den schönsten Momenten in unserem Beruf. Hier entscheidet sich, ob wir einen Auftrag bekommen oder nicht. Der Vorstellungstermin ist unsere Löwenhöhle. Schade nur, dass man dort nie Smoothies bekommt.

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Humanismus statt Populismus

It's enough!

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Finden Sie nicht auch, dass es manchmal genug ist? Trump in USA, Le Pen in Frankreich, Brexit in UK, Rechtskatholiken von der PiS in Warschau, Orbán in Ungarn, FPÖ in Österreich usw. Bei uns AFD und Pegida, die sich breit machen.

Länder, Parteien, Personen völlig unterschiedlich, aber überall der gleiche moralische Sumpf und geistige Brei. Rüpeleien, Proletentum, lose Sprache und Trigger-Happyness. Bis vor kurzem dachte ich noch, Bunga Bunga sei eine Berlusconi-Spezialität, aber ein Locker-Room-Experte belehrte mich eines Besseren. Trotz der unterschiedlichen Lokalkolorite sehe ich eine ähnliche DNA mit gemeinsamen Molekülen.

Stimmenfang durch Fremdenfeindlichkeit, ob nun gegen Ausländer, Flüchtlinge oder sogar Menschen, die schon jahrelang im Inland arbeiten, wie tausende indischer oder pakistanischer Ärzte in UK.
Mobilisierung kleiner Leute gegen Minderheiten, die auf der sozialen Skala nur weiter unten stehen.
Schüren von Hass gegen supranationale Organisationen wie EU, UNO oder Weltstrafgerichtshof.
Leugnen der Erderwärmung („Erfindung der Chinesen“), Ausblenden oder aktives Bekämpfen des Klimaschutzes, Aufhetzen möglicher Opfer konsequenten Klimaschutzes (Coal Miners).
Perverses Zusammenspiel rechtsradikaler Unterschichten mit reaktionären Medien-Plutokraten (Koch Brothers, Murdoch).
Appell an die niedrigsten Instinkte: Gier, Furcht, Angst, Neid, Machotum.
Kindisch-pubertäre mentale Unreife, insbesondere bei der Pubertea Party (wie ich sie nenne).
Schüren antipolitischer und antiparlamentarischer Affekte („Washington“, „Quasselbude“), systematisches Simplifizieren komplexer Zusammenhänge.

Gute Politiker appellieren an den aufgeklärten Eigennutz der Bürger – sie muten ihnen auch die eine oder andere Einschränkung oder Belastung zu und erklären, warum das im Sinne des Gemeinwohls und der Nachwelt vernünftig ist. Populisten werfen immer nur Nebelkerzen und blenden die Zukunft aus. Hauptsache, man gewinnt die nächste Wahl.

Für mich spricht vieles dafür, dass neben all den Primitivitäten des Rechtspopulismus ein starker antiökologischer Effekt mit am Werk ist. Alle Vernünftigen wissen, dass unser Umgang mit den Ressourcen dieses Planeten unreif, unverantwortlich und heute schon unhaltbar ist. Die Bürger Europas wissen, dass es so nicht weiter gehen kann, kluge Manager und Investoren auch. Moralisch Empfindliche spüren ein Schuldgefühl, zu Recht. Doch der Rechtspopulismus biedert sich bei den Ungebildeten, aber auch bei den Radikalegoisten und Hier-und-Jetzt-Hedonisten an, indem er ihnen einredet, er könne sie vor den absehbaren „Zumutungen“ eines ökologisch angepassteren Lebensstils bewahren. Wählt uns und ihr müsst nix ändern.

In einem Samstagsessay der Süddeutschen konnte ich einige Gedanken entwickeln, die einen hoffentlich konstruktiveren Ausweg weisen. Ich wünsche mir eine humanistische Allianz, quer durch alle Parteien und sonstigen Lager, für eine humanere, grünere, gerechtere Marktwirtschaft. Heute muss man sich auch als Geschäftsmann zu diesem Thema positionieren. Deutschland und Europa haben diesen Weg im Grunde längst eingeschlagen. Wir müssen ihn nur konsequenter und schneller verfolgen. Dann wird sich auch das rechtspopulistische Gespenst in Luft auflösen. Nein zu Pegida, ja zu Europa! Wir brauchen ein fröhliches gemeinsames Planetenputzen der Völker, keine rückwärtsgewandete Renationalisierung der Politik. Auch der IWF warnt schon davor. 200 Staaten haben das Pariser Abkommen unterschrieben, nicht einmal ein Jahr später ist es schon praktisch ratifiziert. Eigentlich könnte man nun loslegen.

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Tu felix Bregenzerwald

Foto: privat

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Neulich zwei Wochen im 300 Jahre alten Bregenzerwälder Haus verbracht, genau an der Grenze zwischen den lieblichen Vorbergen im Norden und den ersten Gipfeln, die es über die Baumgrenze schaffen. Seit einigen Jahren fällt mir auf, wie hier alles zusammenpasst, absolute Harmonie. Die Bregenzerwälder sind ein wenig zwanghaft, ganz wie alle Alemannen, und insbesondere die Schweizer und die Schwarzwälder. Kein Wunder, dass dort Europas Uhrenzentren entstanden.

Weil ich selbst schwäbisch-schweizerische Wurzeln habe, liebe ich den ganzen Südwesten von DACHistan, als Münchner natürlich auch den ganzen Südosten. Aber der Südosten ist noch nie in den Verdacht übergroßer Sparsamkeit geraten, während Schwaben, Schweizer und Allgäuer völlig zu Unrecht gern als zwanghaft verschrien werden.

Doch die Bregenzwälder haben es vorbildlich geschafft, Lokalneurosen, Landschaft, Geschichte und regionale Tourismusstrategie zu einem harmonischen Ganzen zu entwickeln. Dabei gehörte Vorarlberg – das freute mich besonders – zu den Bundesländern, die mehrheitlich für van der Bellen votierten. Spannend ist auch die dortige Mischung aus katholischem Glauben und kulturellem Kalvinismus.

Bei den „Wäldern“, wie sie sich nennen, passt einfach alles zueinander. Eine Geschichte ohne Feudaladel, Wien und der Kaiser waren weit weg. Fast eine Art Großbauernrepublik. Früher bitterarm, jetzt wohlhabend, fleißig, mit ganz niedriger Arbeitslosenquote, vielen kreativen Selbständigen. Das Land produziert köstlichen Bergkäse, mit vielen leckeren Stationen entlang der Käsestraße. Gepflegte Gastronomie mit schmackigen Lokalgerichten. Mischen Holzbau mit Bauhaus-Ästhetik. Holen sich Schweizer Stararchitekten wie Zumthor für elegante, moderne und doch anheimelnde Bauten. Haben die großartigsten Tischler der Welt. Die Edeltouristen zieht es nach Lech und Zürs, aber das gehört schon nicht mehr zum Wald. Der Wälder-Tourismus ist gepflegt bodenständig, mit kleinen Juwelen wie Schwarzenberg oder Hittisau. Viele unbekannte Dörfer haben Sternelokale. Bis in kleinste Täler hinein findet man innovative Mittelständler. Der kleine Ort Wolfurt liefert Sessellifte und Sexy Underwear in die ganze Welt.

Dann kommt man zurück und liest von den Skandalen bei Volkswagen, Bosch oder der Deutschen Bank. Dabei heißt Deutschland auf Chinesisch doch Land der Tugend. (Schauen Sie sich mal die Europakarte der Huffington Post an.)

Insgesamt sind unsere politischen Verhältnisse derzeit wohl doch erfreulicher als man es momentan von Österreich sagen könnte. Aber vom Bregenzerwald könnten wir uns eine Scheibe abschneiden. Werte und Wirklichkeit passen recht harmonisch zusammen. Und die Menschen dort sind absolut liebenswürdig.

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